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Krieg und Schattenkrieg in Jemen

Kämpfe, Anschläge und fast unbemerkt kolumbianische Söldner gegen Al Qaida und den IS

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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In New York tagte am Donnerstag gerade der Weltsicherheitsrat, als in Jemen bei Angriffen der saudischen Luftwaffe mindestens 40 Menschen ums Leben kamen, fünf Menschen bei einem Anschlag in Aden starben, während mindestens sieben Millionen Einwohner an akuter Unterernährung leiden. Dem Land drohe die größte Nahrungsmittelkrise der Welt, warnte NO-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien. Seit Monaten fordern Hilfsorganisationen, Saudi-Arabien müsse die Grenze zu den am stärksten gefährdeten Gebieten in Nordjemen für Hilfstransporte öffnen, die Konfliktparteien sollen sichere Wege für die Konvois garantieren. Doch passiert ist das nicht.

Der Weltsicherheitsrat verlängerte eine Resolution um ein Jahr, mit der ein Finanz- und Waffenembargo gegen die Huthi-Milizen und deren Führungsmitglieder sowie Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh verhängt bleibt. Erklärt wird, man sei »zutiefst erschüttert« über die humanitäre Krise und die Behinderungen bei der Lieferung von Hilfsgütern.

Doch Druck wird weiterhin nicht ausgeübt, obwohl die von Saudi-Arabien dominierte internationale Militärallianz auf Seiten der international anerkannten Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi eng mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeitet und den Militäreinsatz mit den Resolutionen des Weltsicherheitsrates rechtfertigt.

Abseits des Krieges zwischen Hadi-Regierung und Militärallianz auf der einen Seite und den Huthi-Milizen auf der anderen, findet in Jemen aber auch weitgehend abseits der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ein weiterer Krieg statt: In den dünn besiedelten Gebieten in Südjemen nahe der Grenze zu Oman kämpfen US-Militär und Truppen unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gegen bewaffnete Banden von Al Qaida und des Islamischen Staates (IS).

Im Schatten des Konflikts fand Al Qaida in Südjemen Zuflucht, nachdem Saudi-Arabien und andere Golfstaaten gegen die Terrortruppe vorgingen. Die Regierung der VAE bezeichnet Al Qaida als »größte Bedrohung für die nationale Sicherheit«. Unter anderem hatten sich zwei der Attentäter, die 2015 in Paris das Satiremagazin »Charlie Hebdo« angriffen, zum Netzwerk »Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel« bekannt. Gruppierungen, die sich Al Qaida zurechnen, werden häufig von örtlichen Stämmen unterstützt, weil diese Gruppen, die in der südjemenitischen Hafenstadt Mukalla mehrere Millionen Dollar erbeutet hatten, ihre Dienste anbieten.

Dem IS indes stehe die Bevölkerung weitgehend ablehnend gegenüber, heißt es in einem Bericht des konservativen US-Think-Tanks Ja-mestown-Foundation: Die Organisation vermeide den Kontakt zur Zivilbevölkerung, betrachte Jemen als Sprungbrett nach Saudi-Arabien. 2016 verübte der IS mindestens 21 Anschläge gegen Einrichtungen der Hadi-Regierung.

Das Verhältnis der VAE zum IS ist komplex. Offiziell nimmt man in Jemen und in Syrien am Kampf gegen den IS teil. Gleichzeitig duldet man aber, dass VAE-Bürger die Organisation in Jemen unterstützen; vermutlich weil man hofft, dass der IS Al Qaida zurückdrängen werde, heißt es im Magazin »Foreign Policy«.

Bei den Militäreinsätzen, berichten Mitarbeiter des Roten Halbmondes in der Region, seien zivile Opfer an der Tagesordnung. Während die USA vor allem Drohnenangriffe fliegen und von Zeit zu Zeit Eliteeinheiten entsenden, haben die VAE dauerhaft Bodentruppen im Einsatz, die Augenzeugen zufolge mit großer Brutalität vorgehen.

Das Besondere an diesen Einheiten ist, dass ihre Angehörigen gar nicht aus den VAE stammen. Bei ihren Angehörigen handelt es sich vor allem um kolumbianische Söldner. Sie stehen unter dem Kommando eines Australiers sowie eines Kolumbianers. Letzterer ist gleichzeitig Geschäftsführer einer Firma mit Sitz in Bogotá, die Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte für den Dienst auf der Arabischen Halbinsel einsetzt. Der Sold betrage bis zu 3000 Dollar monatlich, sagt Jaime Ruíz, Präsident der kolumbianischen Veteranenorganisation. Für einen Kriegseinsatz gebe es 1000 Dollar in der Woche extra: »Dadurch wurden unseren besten Offiziere abgeworben.«

Das kolumbianische Verteidigungsministerium schätzt, dass derzeit bis zu 5000 kolumbianische Soldaten in Diensten des VAE-Militärs stehen - mindestens 150 Leichen seien im Laufe der vergangenen zwei Jahre zurücktransportiert worden.

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