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Magdeburg stürzt Kiel ins Jammertal

  • Von Christoph Stukenbrock, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Alfred Gislason war restlos bedient. Die Fans in der Magdeburger Arena feierten schon seit Minuten euphorisch den Coup, der ihrer Mannschaft in letzter Sekunde gelungen war, da realisierte der Trainer des THW Kiel langsam die Tragweite des nächsten Tiefschlags für sein Starensemble. Zwei Spielzeiten hintereinander ohne Titelgewinn - das hat es in Kiel seit 13 Jahren nicht gegeben.

»Acht Minuspunkte sind wohl zu viel, um noch deutscher Meister werden zu können«, sagte Gislason nach der 26:27-Niederlage beim SC Magdeburg mit fahlem Gesicht. Ausgerechnet in seinem alten Wohnzimmer musste Gislason, der von 1999 bis 2006 beim SCM auf dem Trainerstuhl saß, den erneuten Titel-K.o. mit den Zebras eingestehen. Denn mit nunmehr acht Minuspunkten, fünf mehr als Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt und vier mehr als Titelverteidiger Rhein-Neckar Löwen, dürfte die Schale futsch sein. Und das Anfang März,

Mehr noch: Sogar die Qualifikation für die Königsklasse ist nach der vierten Saisonniederlage in Gefahr. Die Füchse Berlin sind als Vierter bis auf zwei Minuspunkte an die Zebras herangerückt. Champions League ohne Dauergast Kiel? Das hatte es zuletzt in der Saison 2003/04 gegeben.

»Wir werden auch nach dieser unglücklichen Niederlage nicht aufgeben und versuchen, bis zum Ende der Saison jedes Spiel zu gewinnen«, sagte THW-Kapitän Domagoj Duvnjak. Richtig überzeugt klang der Kroate dabei nicht.

Doch vor allem Klub-Ikone Gislason, der seit 2008 mit den Zebras zweimal die Champions League und insgesamt 14 nationale Titel holte, erlebt beim THW zurzeit seine bislang schwierigste Zeit. Die jüngsten Rückschläge nagen an ihm. Erst am Wochenende kassierte der langjährige Branchenprimus seine fünfte Niederlage in der Champions-League (bei zwölf Spielen), nun folgte die nächste Pleite in der Liga.

»Es war ein gutes Spiel von uns, und wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt«, klagte Gislason und haderte einmal mehr mit der schlechten Chancenauswertung seines Teams: »Wir waren in einigen wenigen Momenten zu überhastet.«

Die Stars scheinen mit dem hohen Druck zurzeit nicht klar zu kommen. Selbst die Kieler Nachrichten titelten unter der Woche verwundert: »Was ist los mit dem THW?« Die Lokalzeitung berichtete zudem über wachsende Kritik an Gislason unter den Anhängern. »Beobachter wollen erkennen, dass der Isländer die Mannschaft nicht mehr erreicht, ausgebrannt ist, sein Team vor allem in Auszeiten nicht mehr wachrütteln kann«, schrieben die »KN«.

»Alfred ausgebrannt? Das sehe ich gar nicht so«, sagte Kiel-Manager Thorsten Storm dem Blatt: »Die Erfolge der letzten Jahre stehen in engem Zusammenhang mit dem Namen Alfred Gislason. Natürlich kann man sich in der Sportwelt von der Vergangenheit nichts kaufen. Aber Alfred hat mit jungen Spielern einen Neuanfang begonnen, und ich sehe, dass er alles in die Weiterentwicklung des Teams investiert.« SID/nd

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