Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Heringskutter stechen in See

In Mecklenburg-Vorpommern begann die Stellnetzfischerei - noch immer ohne Ökosiegel

  • Von Martina Rathke, Sassnitz
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach den Schleppnetzfischern sind nun auch die Stellnetzfischer an der Ostseeküste in die Heringsfischerei gestartet. Nach erfolgreichen Probefängen in den vergangenen Tagen startete am Samstag die Fischereigenossenschaft Freest - die größte in Vorpommern - mit acht Kuttern in den Heringsfang. Mit einer Fangmenge von 26 Tonnen war das ein gelungener Auftakt, sagte Genossenschaftschef Michael Schütt.

Die Fischereigenossenschaft liefert ihren Hering traditionell nach Dänemark. Dort wird der Rogen für den asiatischen Markt verarbeitet. Die Filets werden mariniert. Die Preise seien gegenüber dem Vorjahr gewachsen, erklärte Schütt.

Nach dem Rückzug des Eises in den küstennahen Boddengewässern ziehen mehrere Fischereigenossenschaften auf der Insel Rügen und dem Festland mit der traditionellen und als behutsam geltenden Fischerei den Hering aus den Gewässern. Die Kutter in Stahlbrode landen seit drei Tagen stabile Fänge um 2,5 Tonnen an, wie der Chef der Stahlbroder Fischer, Bernd Schütze, sagte. Im Euro-Baltic-Fischwerk in Sassnitz werden neben dem Schleppnetzhering derzeit bereits täglich 20 Tonnen Stellnetzhering angelandet und verarbeitet. »Diese Mengen werden in den nächsten Tagen weiter steigen, wenn der Heringsrogen reifer geworden ist und dafür höhere Preise gelten«, sagte der Geschäftsführer des Fischwerks, Uwe Richter.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die erlaubten Heringsfangmengen für die Kutter- und Küstenfischer um acht Prozent. Diese Entwicklung sei erfreulich, sagte der Vizechef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Michael Schütt. Dennoch sei das einstige Niveau, das die Fischerei vor den jahrelangen massiven Quotenkürzungen hatte, noch nicht erreicht. In diesem Jahr dürfen beispielsweise die Freester Fischer etwa 2500 Tonnen Hering fangen, 2008 waren es 3200 Tonnen.

Mit der diesjährigen Qualität der Heringe zeigten sich Fischverarbeiter wie auch Fischer zufrieden. »Der Hering hat eine vernünftige Größe. Die Fänge sind stabil«, sagte der Chef der Stahlbroder Fischer, Bernd Schütze.

Der Stellnetzhering gilt als qualitativ besser, da er im Vergleich zum Schleppnetzhering eine einheitliche Größe hat und beim Fangen nicht so gedrückt wird, erklärt Uwe Richter, der Sassnitzer Fischwerkechef. Aus dem Stellnetzhering ließen sich deshalb wesentlich bessere Rogensäcke gewinnen. Euro-Baltic gilt mit einer Jahresverarbeitungsmenge von 50 000 Tonnen Hering als einer der europaweit größten Heringsverarbeiter.

Dennoch gibt es für die Stellnetzfischerei ein großes Problem: Im Gegensatz zur Schleppnetzfischerei trägt diese noch kein Ökosiegel. Der Prozess hatte sich immer wieder verzögert, weil die kleineren stellnetzfischenden Betriebe auf Fördermittel für die teure MSC-Zertifizierung angewiesen sind. Doch Fischerei-Chef Schütt sieht die Stellnetzfischerei inzwischen auf gutem Weg. Die Vorzertifizierung sei abgeschlossen. »Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr mit der Vollzertifizierung beginnen können und hoffen dafür auf Unterstützung.« Dann könnte auch der Stellnetzhering ab 2018 das Ökosiegel tragen, meinte Schütt zuversichtlich.

Das Euro-Baltic-Fischwerk hält eine MSC-Zertifizierung der Stellnetzfischerei für notwendig. »Non-MSC-Hering wird nicht mehr vermarktbar sein«, so Richter. Schon jetzt lasse sich nichtzertifizierter Fisch nicht mehr in Deutschland verkaufen. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln