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Bodenpersonal in Berlin streikt nicht nur für mehr Lohn

Freitagmorgen um vier Uhr begann der 25-stündige Arbeitskampf / Am Flughafen Tegel blieb das große Chaos aus – die Reisenden waren früh informiert

  • Von Yves Bellinghausen
  • Lesedauer: 2 Min.

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Am frühen Freitagmorgen legte das Bodenpersonal der Berliner Flughäfen die Arbeit nieder. Bis fünf Uhr früh am Samstagmorgen sollte der Arbeitskampf gehen. 25 Stunden wäre Berlin damit fast komplett vom Flugverkehr abgeschnitten. Nur ganz wenige internationale Verbindungen wurden noch angeboten. Insgesamt wurden inklusive Frachtflügen 466 Verbindungen in Tegel und 204 in Schönefeld gestrichen. Der Streik fiel auch in den Zeitraum der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), zu der insgesamt 200 000 Besucher erwartet werden.

Am Freitagmorgen war die Stimmung in Tegel dennoch entspannt. Der ansonsten gut gefüllte TXL-Bus, der den Flughafen mit der Berliner Innenstadt verbindet, war nahezu leer. Das selbe Bild am Flughafen: Kaum Reisende in Sicht. Dafür aber viele Männer und ein paar Frauen in den gelben Rollfeld-Warnwesten. Einige von ihnen standen mit Kaffee im Nieselregen vor dem Flughafengebäude. Andere Streikende zogen mit ver.di-Fahnen und Plakaten durch die langen Gänge des Flughafens. Keine Sprechchöre, keine Trillerpfeifen, keine hilflosen Reisenden – der Arbeitskampf verlief ruhig. Man habe die Reisenden frühzeitig informiert, sagte ver.di-Gewerkschaftssekretär Enrico Rümker.

Er betreut den Arbeitskampf und führt auch die Verhandlungen für das Bodenpersonal. »Wir fordern einen Euro mehr in der Stunde und bessere Aufstiegschancen. Die Arbeitgeberseite bietet uns nur 27 Cent mehr Lohn«, sagte er. Die Verhandlungen laufen schon seit November – erfolglos.

Viele Reisende, aber auch andere Flughafenbeschäftigte hätten Verständnis für die Streiks, sagte Rümker. Auch weil Reisende genug Zeit gehabt hätten, sich auf andere Verkehrsmittel einzustellen. Tatsächlich waren unter den in Tegel Gestrandeten kaum Berliner oder Geschäftsreisende. Für innerdeutsche Verbindungen bieten die meisten Fluggesellschaften Bahntickets als Ersatz an. Verspätet sich ein Flug um mehr als fünf Stunden, können Kunden sogar den gesamten Ticketpreis zurückfordern, heißt es vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Nur einige wenige Rucksacktouristen lasen verwundert auf den Anzeigetafeln, dass ihr Flug gestrichen worden war. »Es ist ärgerlich, dass mir niemand Bescheid gesagt hat«, sagte ein spanischer Tourist. Er wolle nun versuchen von einem anderen Flughafen zu fliegen. Einige Fluggesellschaften sind auf die Flughäfen in Dresden oder Hannover ausgewichen. Fernbusse standen vor den Terminals bereit, um Reisende zu den Ausweichflughäfen zu bringen. Ein Pärchen aus Lyon sieht den Arbeitskampf locker. »Dann bleiben wir halt noch über das Wochenende in Berlin«, sagte die Frau. Streiken sei schließlich ein wichtiges Mittel der Arbeitnehmerschaft, schob ihr Freund schnell hinterher und machte der französischen Streikmentalität alle Ehre.

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