Was bleibt, ist Ratlosigkeit

Am Deutschen Theater Berlin ist Arthur Millers kapitalismuskritischer Klassiker »Tod eines Handlungsreisenden« zu sehen

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Alle politischen Dauerthemen dieser Tage sind in diesem Stück enthalten: der drohende Aufstieg rechter Demagogen im Zeichen tief sitzender Abstiegsängste der Mittelklasse, die Unausweichlichkeit lebenslanger Armut im Lichte der immerwährenden Hoffnung eines sozialen Aufstiegs; vor allem aber die Illusion der Leistungsgerechtigkeit, wo sich die westlichen Wohlstandsnationen längst in reine Erfolgsgesellschaften verwandelt haben. Du kannst alles erreichen, wenn du dich nur genug anstrengst? Dieser gequirlte Quatsch des amerikanischen Traums galt im Kapitalismus noch nie, heute aber lässt er sich noch viel weniger realisieren als vor knapp 70 Jahren, als »Tod eines Handlungsreisenden« im Londoner Phoenix Theatre uraufgeführt wurde. Wer was mit welchen Mitteln geerbt oder erreicht hat, das ist mittlerweile nahezu gleichgültig. Wichtig sind fast nur zählbare Ergebnisse.

Genau darauf ist Willy Loman fixiert, der Protagonist in Arthur Mi...

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