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Ratte mit Witz

Reiseführer für kleine Leute in Leipzig

Unter fast 580 000 Leipzigern dürfte es doch einige Altersgenossen geben, die als Freunde für Paul in Frage kommen. Doch zunächst trifft der Zugezogene in der neuen Stadt auf einen kleinen Pinselflitzer. So jedenfalls könnte man die possierlichen braunen Kletterkünstler mit dem buschigen Schwanz nennen, die im Clara Park in Leipzig umherwuseln. Baum rauf, Baum runter. Ehe es sich der Neuankömmling versieht, hat ihn doch so ein Pinselflitzer mit hinauf in sein Ästequartier genommen. Beinahe hätte Paul auf Eichhörnchens Balkon seine Mutter vergessen, die am Eisstand steht und mehr Spannendes über diesen Park erzählen kann. Namensgeberin ist Clara Josephine Zetkin. Die Frau mit dem supermodernen Vornamen lebte vor 140 Jahren in Leipzig und setzte sich gegen Krieg ein.

Melanie Schreer/ Anemone Kloos: Willkommen in Leipzig, Paul. Geschichten für kleine Stadt-Entdecker.
be.bra Verlag. 109 S., br., 12 €.

Die nächste Bekanntschaft ähnelt dem sprechenden Eichhörnchen fast ein wenig, nur der Schwanz ist nackt, und seine Trägerin nennt sich Conny Lachsack und ist berühmt für ihre Kugelwitze. Paul trifft die waschechte Connewitzer Ratte im Keller seines neuen Wohnhauses, wo sie gerade seine selbstgebastelte Melonenkernkette verspeist hat, die er eigentlich seinem Vater schenken wollte. Aber die Ratte ist einfach sympathisch und kann viel Interessantes über den Stadtteil Connewitz berichten, der früher mal ein Dorf war, auf dessen Anger die Pferde weideten. Freund Numero Drei ist komisch angezogen, erzählt Geschichten von Mephisto und Faust. Er staunt über die Menschen, die sich kleine Kästen ans Ohr halten. Paul muss dem alten Herrn Goethe erst einmal das Handy erklären.

Wie leicht zu erraten ist, lernt Paul auf seinen Erkundungszügen mit Mama die neue Heimatstadt lieben. Er findet den gewünschten Freund in Gestalt eines Mädchens mit dem schönen Namen Safia. Doch vorher lernt er vom Entenrennen über die Elefantenrutsche bis hin zum Glühwürmchenumzug noch viel Erlebenswertes von Leipzig kennen.

Melanie Schreer und Anemone Kloos haben eine Art Kinderreiseführer verfasst, der neben Pauls Geschichte die schönsten Spielplätze und Abenteuerorte beschreibt, die wichtigsten Töchter und Söhne der Stadt aufführt und kleine Stadtteilkarten zum besseren Zurechtfinden enthält. Dabei haben sie ein schönes Maß zwischen Fantasie und Wirklichkeit gefunden; sie erklären nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Besonders hervorzuheben sind die frischfarbigen, detailreichen Bildkompositionen. Mein Favorit: die süße Ratte mit dem vollgepackten Jutesack.

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