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Religion im Angesicht des Populismus

Auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag darf auch eine Vertreterin der AfD mitdiskutieren

  • Von Felix von Rautenberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Um den Dialog soll es gehen. »Es geht uns nicht darum, über Menschen und ihren Glauben zu sprechen, sondern sich vor allem mit Menschen und ihrem Glauben auseinanderzusetzen«, sagt Christina Aus der Au. Sie ist Präsidentin des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages und stellt am Dienstag das Programm der evangelischen Laienveranstaltung vor, die vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfinden soll. Gastgeberin ist diesmal die »Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische-Oberlausitz« (EKBO).

Nach eigener Aussage streben die Initiatoren die Auseinandersetzung über gesellschaftliche Toleranz in Zeiten einer wachsenden Intoleranz an. Umgesetzt wird dies in den rund 40 Begegnungszentren in der Hauptstadt. Möglichst viele Menschen sollen sich in den vier Tagen zumindest kurz begegnen. Als Hilfestellung dienen vorgefertigte Fragenkataloge, die eine Art Gesprächsleitfaden für den Austausch mit bis dato wildfremden Menschen sein sollen.

Gleich ob queer, muslimisch, jüdisch oder atheistisch - die mehr als 100 000 erwarteten Besucher sollen sich nicht nur in Berlin, sondern auch in den Kirchengemeinden in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt willkommen fühlen.

Im »Begegnungszentrum der Weltanschauungen und Verschwörungstheorien« soll es um Christen in der AfD gehen. Am 25. Mai trifft sich passenderweise dort Bischof Dröge mit Anette Schultner, der Sprecherin der »Christen in der AfD«.

»Wir gucken uns die Leute an und schauen, was sie zu sagen haben. Wir haben keine Angst vor der AfD und wollen vor allem diskutieren«, entgegnet Christina Aus der Au auf Fragen, ob man die Rechtspopulisten in christlichen Kreisen nicht erst hoffähig mache. Auch davor, dass möglicherweise Parteirechtsaußen Björn Höcke im Publikum auftauchen könnte, hat Aus der Au keine Angst. »Ich vertraue in unser Publikum. Unser Publikum stellt sich im Zweifelsfall dagegen«, so die Kirchentagspräsidentin. Man stehe in enger Absprache mit den zuständigen Sicherheitskräften, sagt Dröge nicht nur in Bezug auf die AfD. Das Sicherheitskonzept werde Anfang Mai veröffentlicht.

»Berlin ist ein Ort der Reformation. Die Stadt ist sowohl als Ort der Freiheit und Toleranz, als auch als Ort des Traumas und Schreckens des Nationalsozialismus bekannt«, sagt Aus der Au zu der Frage, warum der Kirchentag in der Hauptstadt stattfinde.

Obwohl bisher nur die Hälfte der 12 000 erhofften Schlafplätze für die Besucher gefunden sind, sei man diesbezüglich jedoch ebenso zuversichtlich wie zu den Teilnehmerzahlen.

Bischof Dröge sagt: »Als Seelsorger sind wir in diesen Tagen stark angefragt. Uns verbindet die Frage nach den gemeinsamen Werten, die uns in Zeiten des Populismus vereinen. Egal ob Linke, Humanisten oder Christen. Welche Gesellschaft wollen wir morgen sein?« Diesen Fragen wird sich auch Anette Schultner von der AfD stellen müssen, wenn sie auf den Landesbischof treffen wird.

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