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Die Coolness fehlt im Subtext

Im Kino: »Lommbock« von Christian Zübert

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Eine ganze Generation von Hobbygärtnern, Möchtegernrastafaris und pubertierenden Genussmenschen war anno 2001 begeistert. Erstmals gab es mit »Lammbock« einen deutschen Kifferfilm, der sich mit Entspanntheit dem medial entweder verteufelten oder unterrepräsentierten Lieblingshobby widmete und sich dabei im Stil an Independentregisseuren wie Quentin Tarantino und Kevin Smith orientierte. Die Geschichte war ein simpler Dreiakter mit absurden Gesprächen und zotigen Witzen, aber dem Publikum gefiel es. Einiges ging bei der allgemeinen Rezeption jedoch unter: So wurde beispielsweise die als peinlicher Ausrutscher gezeigte Vergewaltigungsszene, in der die Hauptfigur Stefan am Ende einer Party »aus Versehen« und berauscht seine von Wodka betäubte Schwester penetrierte, bei dem geliebten »Kultfilm« gerne übersehen. Eine mögliche Fortsetzung stand dennoch - oder vielleicht auch gerade wegen dieses speziellen Humorverständnisses - bereits seit längerer Zeit im Raum.

In »Lommbock« sind nun 16 Jahre vergangen und die Filmcharaktere wie auch das Slackerpublikum zumindest etwas erwachsener geworden. Stefan, im ersten Teil noch ein ständig zweifelnder Jurastudent unter der Fuchtel des mächtigen Vaters, ist zum Anzug tragenden Yuppieanwalt transformiert. Entgegen allen alten Idealen will er in Dubai eine Klischeekifferbar eröffnen, inklusive Bob-Marley-Musik und THC-freier Joints. Er steht kurz davor, die taffe und erfolgreiche Yasmine zu heiraten. Die gibt es jedoch nur im Gesamtpaket: Der reiche Schwiegervater ist der neue Druckmacher und Taschengeldgeber, der in Stefans Leben fortan den Ton angibt.

Für ein fehlendes Ehedokument muss der von Lucas Gregorowicz gespielte »CEO« noch mal zurück nach Würzburg, wo er am Flughafen von Kai mit einer »Pizza Gourmet« begrüßt wird. Unter der Salamischeibe wartet das bekannte Marihuanatütchen. Kai, immer noch frei von jeglichem Ehrgeiz, wohnt mittlerweile mit seiner Freundin Sabine und ihrem pubertierenden Sohn kleinbürgerlich zusammen. Als Erziehungsperson, als Partner wie auch als Inhaber des namensgebenden - und mittlerweile drogenfreien - Asia-Imbisses »Lommbock« ist er gescheitert. Die von Moritz Bleibtreu gespielte Figur hat sich dafür vollends zum Verschwörungstheoretiker entwickelt, der ernsthaft glaubt, die Menschheit stamme von Außerirdischen ab. Macht ja alles nichts, solange es was zu kiffen gibt. Auch wenn man das jetzt mittlerweile heimlich machen muss.

Natürlich dauert es nicht lange, bis die beiden Freunde auf der alten Couch versacken und breit über das Leben und die Liebe philosophieren. Die Geschichte nimmt von hier nur langsam an Fahrt auf und besteht im Wesentlichen darin, dem mit Gras dealenden Sohn von Kais Freundin aus der Patsche zu helfen. Zwischendurch gibt es noch verklemmte Witze mit einem Gummipenis, Austin Powers lässt grüßen, und eine erneut als Humor verkaufte Grenzüberschreitung. Stefan ejakuliert dabei seiner genervten Jugendfreundin Jenny ohne vorherige Absprache beim Fremdgehen ins Gesicht - »weil das Frauen durch Youporn heute ja so erwarten«. Überhaupt sind die weiblichen Charaktere des Films entweder gestresste Geschäftsfrauen (Yasmine), nörgelnde Mütter (Sabine) oder geile Verführungen (Jenny). Kiffen sieht man sie nie.

Der wie auch im ersten Teil verantwortliche Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert lässt in der Fortsetzung erwartungsgemäß wieder bauen und inhalieren, was das grüne Zeug hält. Angebaut, so viel sei verraten, wird jedoch nicht mehr. Die leichte Verruchtheit und Gefahr, die dem Original dadurch zumindest noch ein bisschen beigemischt war, wird nun eingetauscht gegen die harmlose Geschichte zweier Männer in ihren 40ern, die vom Leben überfordert im Kiffen eine Zuflucht suchen. Die alte Heimat in Form der Kleinstadt dient dabei als Rückzugsraum vor den Verantwortlichkeiten des Erwachsenendaseins. Angespielt wird nur noch auf sich selbst. Die alten Witze krepieren neu verpackt. So weit, so belanglos.

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