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Sparen unter neuem alten Label

EU will Energieeffizienzklassen reformieren und Datenbank für Verbrauchswerte einführen

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A+, A++ oder doch lieber A+++? Wer eine Waschmaschine, einen Kühlschrank oder einen Fernseher kaufen und dabei auf sparsamen Verbrauch achten will, hat es derzeit nicht leicht. Im Fachhandel findet sich kaum noch ein Gerät mit einer Energieeffizienzklasse niedriger als A - die viele Kunden automatisch mit Sparsamkeit verbinden. Doch das ist ein Irrtum: Die Einteilung der Energieeffizienzklassen in der EU ist unübersichtlich und verwirrend, auch weil sie sich bei vielen Geräten noch auf Referenzwerte aus dem Jahr 1998 bezieht. Was zu dieser Zeit als sparsam galt, ist heute technisch längst nicht mehr auf dem neuesten Stand. Deshalb führte die EU peu à peu immer neue Pluszeichen ein, um zu kennzeichnen, dass die neuen Geräte noch energieeffizienter sind.

Damit soll Schluss sein. Was viele Verbraucherschutz- und Umweltverbände jahrelang gefordert hatten, will die EU nun umsetzen: Eine Rückkehr zu den Energielabeln A bis G, die ab 1990 galt. Dabei soll das neue A sparsamer sein als die bisher geltende höchste Kategorie. Die Kategorien sollen regelmäßig angepasst werden, so dass A immer die stromsparendste Klasse bleibt. Darauf haben sich Vertreter des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten am Dienstagabend geeinigt, wie die EU-Kommission und der EU-Rat mitteilten. Für den Verbraucher soll damit auf einen Blick klar sein, welches Gerät am energiesparendsten ist. Es sei höchste Zeit gewesen, das anzupassen, sagte EU-Energiekommissar Maroš Šefčovič. Damit auch für die Käufer klar ist, welche Werte genau das von ihnen gekaufte beziehungsweise in Erwägung gezogene Gerät hat, sollen die Verbrauchskennziffern in einer Onlinedatenbank gesammelt und veröffentlicht werden.

Doch auch wenn entsprechende Ideen bereits seit Jahren in den EU-Gremien herumgeistern - bis zur Markteinführung des neuen Systems wird es wohl bis zu zwei Jahre dauern. Zunächst müssen die Mitgliedsländer formal zustimmen und auch das EU-Parlament muss noch darüber entscheiden. Erst 15 Monate danach wird die Regelung nach Angaben einer Sprecherin der EU-Institutionen in Kraft treten und ab da soll es noch mal ein Jahr dauern, bis die Industrie sich komplett umgestellt hat und die neuen Labels auf den Geräten im Laden zu finden sind.

Unklar ist bisher jedoch, wie genau die Referenzwerte beschaffen sein werden und in welchen Abständen sie überprüft werden sollen. Grundsätzlich könnten von den neuen Labels alle profitieren: Die Verbraucher, denen laut Umfragen die Energieeffizienz von Elektrogeräten immer wichtiger geworden ist, könnten ihre Kosten senken. Mit rund 500 Euro Ersparnis pro Jahr und Durchschnittshaushalt rechnet etwa EU-Umweltkommissar Miguel Arias Cañete. Doch auch die Hersteller und Händler sollen demnach Vorteile haben: Der Verkauf noch energiesparender Geräte könnte ihnen einen zusätzlichen Umsatz von 65 Milliarden Euro jährlich einbringen. Insgesamt, so Cañete, könnte sich die Energieersparnis auf den jährlichen Verbrauch Italiens und des Baltikums belaufen.

Der europäische Verbraucherverband BEUC begrüßte die Einigung. Die Rückkehr zur einfachen Skala von A bis G könne Verbrauchern beim Stromsparen helfen, erklärte BEUC-Nachhaltigkeitsexpertin Sylvia Maurer. »Allerdings hatten wir eine raschere Anpassung aller Produkte gefordert, vor allem Heizgeräte und Heißwassergeräte«, kritisierte sie. Die geplante Datenbank nannte sie dagegen eine sehr gute Neuerung.

Das Energielabel ist Teil der sogenannten Europäischen Top-Runner-Strategie, die der Steigerung der Energieeffizienz dienen soll. Dabei wird zu einem Stichtag eine Marktübersicht erstellt und der Verbrauch der effizientesten zum Standard für die Branche erhoben. Für die Erreichung dieses Standards bekommen die Hersteller ein gewisses Zeitfenster, danach drohen ihnen bei Nichteinhaltung der Standards Strafen oder gar Verkaufsverbote. In Japan wurde eine solche Regelung Anfang der 1990er eingeführt und hat laut der Umweltorganisation Greenpeace zu deutlichen Steigerungen der Energieeffizienz und damit einhergehend zu einer Minderung des Treibhausgasausstoßes geführt.

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