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Nachholbedarf auf vielen Ebenen

UNDP stellt Bericht über Entwicklung vor

Berlin. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Diese Frage stellt sich regelmäßig beim globalen Blick auf die menschliche Entwicklung. Das stellt der am Dienstag vorgelegten Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) einmal mehr unter Beweis. Die seit 1990 erzielten Fortschritte seien beeindruckend, heißt es in dem UN-Bericht. Die Entwicklung sei aber uneinheitlich, kritisieren die UN-Experten. In allen Regionen stünden Frauen schlechter da als Männer, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesentwicklungsministerium, Thomas Silberhorn (CSU), bei der Vorstellung des Berichts. Diese Kluft müsse unbedingt geschlossen werden. »Denn dort, wo Frauen Zugang zu Bildung, Eigentum und Finanzen haben, geht die Entwicklung eines Landes deutlich schneller voran«, erklärte Silberhorn.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass es häufig systematische Benachteiligungen sind, die Frauen und andere Gruppen vom Fortschritt ausschließen. Diese Entwicklungshemmnisse sind demnach nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch politischer, sozialer und kultureller Natur.

Neben Frauen sind dem Bericht zufolge in nahezu jedem Land bestimmte Gruppen von Fortschritten ausgeschlossen: Bewohner ländlicher Regionen, indigene Völker, ethnische Minderheiten, Behinderte, Homosexuelle, Migranten und Flüchtlinge. »Wir legen zu viel Aufmerksamkeit auf nationale Durchschnittswerte, die oft enorme Variationen in den Lebenswirklichkeiten der Menschen verdecken«, kritisierte Jahan.

Zusammen mit dem Bericht wurde auch der Index über die menschliche Entwicklung vorgestellt, der das Niveau der menschlichen Entwicklung anhand von Bildung, Lebenserwartung und dem Lebensstandard erfasst. Auf dem Spitzenplatz landet wie schon im Vorjahr Norwegen. Deutschland verbessert sich um zwei Plätze und liegt auf Platz vier. Die UNO weist jedoch darauf hin, dass es auch in Deutschland ein Gefälle bei der Verteilung menschlicher Entwicklung gibt.

Am niedrigsten war das Level der menschlichen Entwicklung demnach in der Zentralafrikanischen Republik. Auch viele andere afrikanische Länder befinden sich demnach unter den Staaten, die von Erfolgen bei der menschlichen Entwicklung bisher wenig profitiert haben. Dies verdeutlicht auch die derzeitige Hungersnot in Ostafrika. Silberhorn bezeichnete es als Skandal, »dass derzeit Millionen Menschen am Horn von Afrika hungern müssen«.

Insgesamt wurden 188 Länder für den Index der menschlichen Entwicklung bewertet und auf der Rangliste platziert. Laut UNDP ist der Index ein zusammengesetztes »Maß für das menschliche Wohlergehen«. Kriterien sind die Lebenserwartung, die Alphabetisierung, die Einschulungsquote und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Jahan forderte als Konsequenz aus dem Bericht, bei den Nachhaltigkeitszielen der UNO einen Fokus auf diejenigen zu legen, die bei der Entwicklung bisher am weitesten zurückgeblieben sind. Die Agenda, die 2015 von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, soll bis 2030 umgesetzt werden. AFP/nd

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