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Die Mark im Banne Luthers

Kulturlandjahr 2017 erinnert in Brandenburg mit 300 Veranstaltungen an Reformation

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Mit einer Ausstellung in der Marienkirche zu Frankfurt (Oder) wird am 5. Mai das offizielle Programm des Kulturlandjahrs 2017 eröffnet. Unter dem Thema »Bürger, Pfarrer, Professoren - St. Marien in Frankfurt (Oder) und die Reformation in Brandenburg«. Die Schau schließt auch Expositionen in der St. Gertraud-Kirche sowie im Museum Viadrina ein.

Bei der Vorstellung des Programms des Themenjahres am Montag in Berlin erinnerte Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke an die große Vergangenheit der Oderstadt als Handelszentrum und kurfürstlicher Repräsentationsort, in dem 1506 die Universität Viadrina gegründet wurde. Luther selbst sei zwar nie in Frankfurt gewesen, doch habe sein Widersacher, der Mönch Johann Tetzel (um 1460-1519), an der Universität seine 106 Gegenthesen zu Luther geschrieben. Nach Tetzels Scheitern sei die Stadt 1537 ein bedeutender Ort der Reformation gewesen.

Kulturministerin Martina Münch (SPD) erinnerte bei der Vorstellung des Programms des Themenjahres in der Landesvertretung beim Bund daran, dass Frankfurt (Oder) längst in »Vorleistung« gegangen ist. Anfang März seien die Musikfesttage 2017 mit der Uraufführung des Oratoriums »Luthers Träume« des brandenburgischen Komponisten Siegfried Matthus in der Konzerthalle der Oderstadt eröffnet worden.

Mit rund 300 Veranstaltungen in etwa 30 geförderten Projekten zum Lutherjahr wende sich das Kulturland vor allem an Kulturtouristen aus nah und fern, an Berliner und Brandenburg, die mehr über ihre Wurzeln und ihre Identität erfahren wollen, erläuterte die Ministerin. Man habe das »spannende und facettenreiche Kulturlandjahr« gemeinsam mit wissenschaftlichen und touristischen Partnern erarbeitet. Es setze sich mit spezifischen Orten und Umbrüchen der Reformation im Land Brandenburg auseinander.

Mit dem Themenjahr werde auch in Brandenburg an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert. Martin Luther (1483-1546) hatte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen. »Luther war wohl selbst nie in Brandenburg«, sagte Münch. Dennoch würden viele noch heute Preußen und Protestantismus in einen engen Zusammenhang bringen. »Neben der Präsentation dieses kulturellen und geistigen Erbes und der Beförderung gesellschaftlich-theologischer Diskurse werden durch das Jubiläumsjahr alte Kloster- und Kirchenanlagen, weitere historisch bedeutsame Orte und attraktive Museen in den Blickpunkt gerückt.«

Den Organisatoren des Kulturlandjahres steht in diesem Jahr ein Gesamtbudget von rund 900 000 Euro zur Verfügung, erklärte Brigitte Faber-Schmidt von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte. Rund 120 000 Euro stellt die evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz bereit. Die Landesministerien für Kultur sowie für Infrastruktur - auch für Stadtentwicklung zuständig - unterstützen das Themenjahr mit insgesamt 365 000 Euro.

Infrastruktur-Staatssekretärin Ines Jesse verwies darauf, dass die Reformation zuerst in den Städten Fuß gefasst habe. Luthers Wirken habe den Grundstein gelegt für die heutige Gestalt unseres Gemeinwesens auf staatlicher und lokaler Ebene. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischem Stadtkern sei vor allem in südbrandenburgischen Mitgliedsstädten das Projekt »Reformation - eine Bewegung findet Stadt« verwirklicht worden.

»Brandenburger Gemeinden, Verbände und Initiativen werden Bausteine liefern für unsere Kulturlandschaft, die von regionaler Vielfalt und breitem Engagement im Kulturbereich lebt«, so die Staatssekretärin. »Anhand der Projekte ist erkennbar, dass auch im neuen Kulturlandjahr die ›Alltagskultur‹ eine wichtige Rolle spielen wird, also die Menschen und ihre Lebensumwelt.«

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen des Kulturlandjahres, die in allen Regionen des Landes stattfinden, stehen die Reformation vor Ort und ihre Folgen für das Alltagsleben der Menschen, für ihren Glauben, ihre Wertvorstellungen, ihre Lebensgestaltung und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. Gemeinsam mit kulturellen, wissenschaftlichen und touristischen Partnern wurde ein Programm aufgestellt, das Besucherinnen und Besuchern Orte und insbesondere auch Persönlichkeiten und Zeugnisse der Reformation in Brandenburg nahebringt.

Brigitte Faber-Schmidt warb unter anderem für die Ausstellung »Reformation und Freiheit. Luther und die Folgen für Brandenburg und Preußen«, die ab 7. Mai im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam gezeigt wird. Am 31. März eröffnet das Stadtmuseum Berlin in der Berliner Nikolaikirche die Exposition »Sankt Luther. Reformator zwischen Inszenierung und Marketing«. Zahlreiche Städte und Gemeinden werden zum Luther-Jahr-Veranstaltungsort. Jüterbog (Teltow-Fläming) etwa zeigt die Ausstellung »Tetzel - Ablass - Fegefeuer«, ein Mysterienspiel sowie Luther-Filme im Open-Air-Kino. Brandenburg/Havel präsentiert einen »Reformationspfad« durch die Stadt Brandenburg an der Havel. Das Dominikanerkloster in Prenzlau (Uckermark) wartet mit einem Artists-in-Residence-Projekt sowie einer Konzertreihe mit Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts in Klöstern und Kirchen auf. In Finsterwalde (Elbe-Elster) ist eine Puppentheater-Tournee mit dem Stück »Legende Luther« zu erleben.

Vorgestellt wurde auch die Begleitpublikation »Luther und die Folgen. Reformation in Brandenburg« aus dem Verlag Koehler & Amelang. Herausgegeben von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte und Kulturland Brandenburg, folgt sie von der Prignitz bis zum Elbe-Elster-Land den Spuren der großen gesellschaftlichen Umwälzung vor 500 Jahren. In Wort und Bild führte sie an Orte, Bauwerke, Denkmäler, zeigt Dokumente, porträtiert Menschen aus dem Hier und Heute.

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