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André Schürrle zahlt Vertrauen mit Toren zurück

In Dortmund kommt der Fußballnationalspieler nicht an Aubameyang, Reus und Dembélé vorbei, doch der Bundestrainer hält an ihm fest

  • Von Marco Mader und
Oliver Mucha, Baku
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine feucht-fröhliche Siegesfeier wurde es dann doch nicht für André Schürrle. »Wenn wir was trinken dürfen, würde ich einen ausgeben«, hatte der Doppeltorschütze beim 4:1 (3:1) in der WM-Qualifikation gegen Aserbaidshan vor dem Einsteigen in den nächtlichen Sonderflug von Baku nach Frankfurt am Main zu seinem zweimaligen Vorlagengeber Jonas Hector gesagt. Doch für eine spontane Party waren die Spieler ohnehin zu müde.

Dabei hätte Schürrle guten Grund gehabt, auf seinen Auftritt anzustoßen. Mit seinen Länderspieltoren Nummer 21 und 22 (19. und 81. Minute) sowie dem Traumpass auf Thomas Müller vor dem wichtigen 2:1 (36.) war er der beste Mann auf dem Platz. Seine Dortmunder Krise? Schoss er einfach weg. »Das tut extrem gut«, sagte Schürrle, der beim BVB im Schatten von Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Ousmane Dembélé steht. Beim DFB, betonte er, fühle er sich »pudelwohl«. Auch weil ihm der Bundestrainer »öffentlich das Vertrauen« schenke. Wie am Samstag, als Joachim Löw vor dem Spiel in Baku Schürrles Dynamik, Torgefährlichkeit, Effizienz, Fitness und Engagement lobte.

Schürrles Klubtrainer Thomas Tuchel sind diese Eigenschaften ebenfalls bekannt, allerdings ließ er den 30 Millionen Euro teuren Sommerzugang in 13 Pflichtspielen 2017 nur viermal über 90 Minuten ran. »Wenn man wenig spielt, fehlt etwas das Vertrauen«, sagte Schürrle dazu.

Sollte er damit Selbstvertrauen gemeint haben, war das in Baku jedoch nicht zu spüren. Schürrle war extrem lauf- und einsatzfreudig sowie in einer guten deutschen Offensive der gefährlichste Stürmer. Von einer »Erlösung« wollte er aber nichts wissen. »Mir sind keine Steine vom Herzen gefallen«, sagte er, »ich weiß, was ich kann«, seine Situation in Dortmund werde »ein bisschen zu negativ« gesehen. Dennoch: Dass er dort zuletzt wenig spielte, ist Fakt. Löw aber ist inzwischen ein Meister darin, Spieler aufzubauen, die in ihren Vereinen Probleme haben. Wie Mario Götze in dessen Münchner Zeit oder den Bayern-Reservisten Joshua Kimmich. DFB-Präsident Reinhard Grindel lobte, dass es Löw und seinem Stab stets gelänge, »eine sehr vertraute und angenehme Atmosphäre« zu schaffen, in der »die Spieler ihre Form abrufen« könnten.

Vor der Partie in Baku hatte Löw also Schürrle mal beiseite genommen. »Der Bundestrainer hat mir ein paar Sachen gesagt«, sagte der 26-Jährige. Zum Beispiel, dass Schürrle etwas überraschend zu seinem ersten Einsatz von Beginn an seit Oktober 2015 kommen würde.

Schürrle zahlte das Vertrauen mit seinen ersten Toren im DFB-Dress nach zehn Spielen Durststrecke zurück. Ob es ihm auch in Dortmund hilft? »Ich werde dort weiterhin alles geben, wenn ich die Chance bekomme«, sagte Schürrle, und, dass er sich sehr auf das Revierderby am Samstag freue. Bei zwei weiteren Treffern auf Schalke dürfte die Party dann doch noch nachgeholt werden. SID/nd

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