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Dörfer an der Wolga

Artjom Wessjoly (1899 - 1938)

In Rußland ist Revolution -

über der ganzen Welt

stieg eine Staubsäule auf …

Der Kreis versank in Schnee und Dekreten.

Schlummernd lagen die Wälder hinter der Wolga. Auf den winterlichen Feldern ruhte die große Stille. Wohlgesättigt dämmerte dösend das Dorf, gab schlaftrunkenes Hähnekrähen von sich und das Murmeln der Gottesglocke.

Über der Schlucht ein Dorf, in der Schlucht ein Dorf, vor dem Wald ein Dorf, hinterm Wald ein Dorf, im Tal ein Dorf, hinterm Flüßchen ein Dorf. Reich bist du, Heimatland, an grauen Dörfern.

Da ist das Dorf Chomutowo.

Breit hingelagert Häuser mit Zeltdach, gedeckt mit Brettern, mit Blech, darin zwei Räume. Höfe wie Truhen, mit Ornamenten. In den geräumigen Häusern große Familien, warm geheizt, Schaben zum Wegschaufeln. Der Ikonenschrein füllt die ganze Ecke. Bilder vom Krieg, vom heiligen Berg Athos, von den Qualen der Hölle. Das Volk im Dorf hochgewachsen, sauber, redselig. In früheren Zeiten, wenn Sonntag war oder das Fest des Schutzheiligen, brodelte das Dorf im Handelstreiben wie der Apfel im Honig: Stoffe, Getreide, bemaltes Geschirr, Radkränze, Krummhölzer, Teer, Kringel, Lebkuchen, Viehherden, Steppenpferde, Lärm, Geschrei, Zigeuner-schwüre …

Die Revolution schlug wie ein Ungewitter auf das reiche Dorf ein: Der Handel verkümmerte, die Landstraße verödete, die Geschäfte lagen danieder ...

Ein neuer großartiger Band aus der Reihe »Europa erlesen« des Wieser-Verlags: »Wolga«. Enthalten sind Texte aus mehreren Jahrhunderten, von Ortsansässigen und Reisenden, vor allem aber von berühmten Schriftstellern wie Puschkin, Gorki, Zwetajewa und eben Artjom Wessjoly, der mit »Blut und Feuer« einen großen Roman über Oktoberrevolution und Bürgerkrieg geschrieben hat (200 S., geb., 14,95 €).

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