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Auf der Volksbühne

Protest in Berlin, Wahlkampf überall: Das politische Theater lebt

Berlin. Man darf in Zeiten, in denen »das Volk« gegen alles Mögliche (meistens: gegen die da oben) in Stellung gebracht oder für alles Mögliche vereinnahmt wird (meistens für irgendein exklusives »Wir«), an einen verfassungspolitischen Gedanken erinnern: Die Volkssouveränität drückt sich vor allem in der Schaffung einer Verfassung aus - die als demokratische auch die Vertretung eben jenes »Volkes« regelt. Danach ist das »Volk« sozusagen fertig. Souverän bleibt der Bürger, der sich vertreten lässt. Wodurch Wahlen und das um sie gemachte Bohei eben doch wieder dazu werden: zur Volksbühne.

In Berlin hat unlängst so eine Wahl zwar eine Landesregierung hervorgebracht, deren Kultursenator den designierten Chef des Theaters Volksbühne, Chris Dercon, als Fehlbesetzung kritisiert hat, die schnurstracks in den »neoliberalen Kunstbetrieb« führe. An dem allerdings vom Vorgängerkabinett geschlossenen Vertrag hält auch Klaus Lederer fest - was nicht jeder, der es mit dem bisherigen Intendanten Frank Castorf hält, für gut befindet. Zur Besetzung der Volksbühne, wie ein Gerücht zuvor besagt hatte, kam es dann bei einer »Dankesprozession« am Samstag nicht: Der symbolische Trauermarsch zur Verabschiedung Castorfs beließ es beim »Danke«. Das Ende der Proteste wird das dennoch nicht gewesen sein, alles, was mit der Volksbühne zu tun hat, greift tief ins kulturpolitische Herz vor allem der östlichen Hauptstadt ein. Und dort geschlagene Narben verheilen praktisch nie.

Man sieht: Das, was da auf der Volksbühne geschieht, ist nicht immer schön, nicht immer lustig und vor allem: nicht immer im Interesse aller Bürger. Wer aber aus dem Fall Dercon den Schluss ziehen mag, dass Wahlen ja doch nichts ändern, man sie andernfalls längst verboten hätte, darf zwar auf Beifall hoffen, muss sich jedoch fragen, ob der von der richtigen Seite kommt.

Was passiert, liegt immer noch in der Hand des Souveräns, des Bürgers, der sich vertreten lässt. Als nächstes in NRW und Schleswig-Holstein. Und im Herbst im Bund. Dann wird sich auch das am Sonntag zum endgültigen Entwurf erhobene Wahlprogramm der Linkspartei der Prüfung stellen müssen - auf der Volksbühne. tos Seiten 2, 6, 10 und 15

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