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Auf den Mauerschlips getreten?

Die Gedenkstätte in der Bernauer Straße präsentierte ihre erste Plakatausstellung

Von der Bundesstiftung Aufarbeitung lernen, heißt siegen lernen. Das dachten sich wohl die Mitarbeiter der Gedenkstätte Berliner Mauer. Am gestrigen Donnerstag präsentierten sie ihre erste Plakatausstellung. Was die »Aufarbeiter« seit Jahr und Tag, de facto am Fließband produzieren, gibt es nun also auch unter dem Label Mauerstiftung. Auf zwölf DIN A1-Plakaten rekonstruiert die Ausstellung die Entstehung und den stetigen Ausbau der Berlin-Ost von Berlin-West abriegelnden DDR-Grenzanlagen anhand reichlich historischer Fotos, Grafiken und knapper Texte. Sie ist im Besucherzentrum der Gedenkstätte zu sehen, kann aber auch von interessierten Institutionen im In- und dank englischer Version auch im Ausland gegen einen Gebühr von 30 Euro bestellt werden.

»Bilder sagen mehr als tausend Worte«, begründete Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, die neue Form der Bildungsarbeit in einer zunehmend visuell und virtuell fixierten Welt. »Die Ausstellung ist ein Botschafter für uns«, ergänzte der studierte Kunsthistoriker und Mediävist, der einen interessanten Schlips trug, dessen abstraktes Design Stacheldraht und Mauerstreifen assoziierte.

Susanne Muhle und Manfred Wichmann erläuterten Idee, Konzept und Gliederung der Ausstellung. Detailbegierige Besucher, Medien und Nutzer der Webseite der Gedenkstätte hätten quasi das Projekt inspiriert, zu dem man den Grafiker Jan Schwochow gewinnen konnte, der »eine Mauermacke« habe, wie Klausmeier bemerkte - was der Leiter eines Infografik-Unternehmens als Kompliment aufnahm und bestätigte: Seit seiner Übersiedlung von Hamburg in die Hauptstadt lasse ihn das bauliche Monster, dass sich einst quer durch und um Berlin schlängelte, nicht mehr los. Er studierte historische Luftbildaufnahmen, ging zu Fuß die ehemalige Grenze ab, entdeckte dabei noch manche Relikte, so bei Schildow einen Stacheldraht aus dem Jahr des Mauerbaus, und stieß zudem auf Widersprüche und Fehler auf einigen in Berlin aufgestellten Infostelen.

Die Ausstellung wolle nicht nur die Infrastruktur der Grenze dokumentieren, so Mühle, sondern auch zeigen, wie die Menschen beidseitig mit der Mauer lebten. Dafür wurden Zeitzeugeninterviews genutzt. Rekonstruiert werden ebenso der Alltag der Grenzsoldaten sowie Fluchtwege. Genannt wird die Zahl von 139 Todesopfern, 101 seien beim Versuch, die DDR zu verlassen, gestorben, 22 Westberliner versehentlich erschossen worden. So die Angaben auf der Tafel, auf der exemplarisch sechs Biografien vorgestellt werden, darunter das tragische Schicksal von Peter Fechter, der im Todesstreifen nahe des Checkpoint Charlie verblutete, weil weder DDR-Grenzer noch US-Soldaten ihm halfen. Auf »nd«-Nachfrage bestätigte Muhle, dass bisher kein hochoffizielles Dokument aufgefunden wurde, das den »Schießbefehl« belegt. Klausmeier intervenierte etwas verärgert: »Vor jeder Schicht wurden die DDR-Grenzsoldaten vergattert, Grenzverletzer zum Halt zu bringen oder im Ernstfall zu ›vernichten‹. Was heißt das anderes als schießen?«

Das letzte Plakat zeigt Segmente der Berliner Mauer weltweit, von Ungarn bis in die USA, von Südkorea bis Südafrika. Zudem wird über gegenwärtige martialische Grenzanlagen berichtet, etwa die Stahlwände zwischen USA und Mexiko sowie Israels Mauer in Jerusalem. Wie »nd« versichert wurde, soll der ambivalente Titel »Grenzen verstehen« nicht suggerieren, man akzeptiere mörderische Abschottung gestern wie heute.

»Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961 - 1989«, Bernauer Str. 119, Di. - So., 10 - 18 Uhr, Eintritt frei.

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