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Trumps Schützenhilfe für Terrorgruppen

Syrischer Sprecher: US-Angriff bestätigt »ungerechten Krieg« der islamistischen Milizen

  • Von Karin Leukefeld, Damaskus
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es ist kurz vor dem Morgengebet, als 59 US-amerikanische Tomahawk Cruise Missile um 3.42 Uhr am Freitagfrüh auf der Luftwaffenbasis Al Sha’irat, südöstlich von Homs, einschlagen. Auf dem weitläufigen Militärgelände sind Hubschrauber und Kampfjets der syrischen Luftwaffe und der russischen Armee stationiert, die Syrien im Kampf gegen islamistische Kampfgruppen unterstützen.

Zuletzt hatte die Luftwaffe mit russischer Unterstützung einen Angriff von bis zu 10 000 islamistischen Kämpfern auf die Stadt Hama zurückgeschlagen. Anfang 2017 war ihr Einsatz ausschlaggebend bei der Rückeroberung der historischen Ruinenstadt Palmyra vom selbst ernannten »Islamischen Staat im Irak und in der Levante«. Nun liegt das Gelände der Basis in Trümmern, Video-Aufnahmen von Anwohnern des Areals zeigen Flammen, die noch in den Morgenstunden in den Himmel schlagen.

Die USA hatten die NATO und auch Russland kurz vor dem Angriff gewarnt, Personal war evakuiert worden. Dennoch wurden mehrere Menschen getötet und etliche verletzt, teilte ein syrischer Armeesprecher am Freitagmorgen im syrischen Fernsehen mit. Der materielle Schaden sei »sehr groß«.

Die USA habe sich »zum Partner von IS, der Nusra-Front und anderer Terrororganisationen gemacht«, so der Sprecher des syrischen Militärs weiter. Diese Gruppen hätten ab dem ersten Tag »dieses ungerechten Krieges gegen Syrien« die Armee und Militärbasen angegriffen. Der US-Angriff würde sie darin bestätigen, ihren Kampf fortzusetzen.

Die USA habe den Angriff gestartet, ohne die Geschehnisse in Chan Scheichun untersucht zu haben. Syrien werde fälschlich beschuldigt, Chemiewaffen zu besitzen oder eingesetzt zu haben. Syrien habe nie Chemiewaffen gegen die Bevölkerung eingesetzt und werde es nie tun, wiederholte der Sprecher, was tags zuvor bereits vom syrischen Außenminister Walid Mouallem bei einer Pressekonferenz in Damaskus vorgetragen worden war. »Die Aggression der Vereinigten Staaten von Amerika verletzt internationales Recht« und werde Syrien nicht daran hindern, weiter gegen den Terror zu kämpfen.

Auch der demokratische US-Senator Tim Kaine bezeichnete den Angriff als »kriegerischen Akt«. Die USA hätten eine souveräne Nation mit Marschflugkörpern angegriffen, erklärte er. »Das ist ein Kriegsakt«, so Kaine gegenüber dem Sender NPR. Dafür wäre unbedingt die Zustimmung des Kongresses erforderlich gewesen. »Der Präsident ist nicht befugt, einen Krieg zu beginnen, ohne eine Abstimmung im Kongress darüber«, betonte Kaine.

Als der syrische Militärsprecher seine Stellungnahme im Fernsehen abgibt, ist es in Damaskus ruhig. Am Freitag, dem muslimischen Feiertag, bleiben die Familien lange zu Hause, bevor sich am späten Vormittag die Männer auf den Weg zum Freitagsgebet machen, das um die Mittagszeit stattfindet. Von den Minaretten rufen die Muezzine, die Männer brechen auf, und in die Umayyaden-Moschee in der Altstadt kommen auch viele Frauen.

»Diesen Angriff haben wir nicht von den Amerikanern erwartet«, sagt A., ein junger Apotheker, der mit seinen Kindern bei einem späten Frühstück sitzt. »Wir haben hier genug Krieg gehabt, Washington und Moskau müssen auf alle Seiten einwirken, damit die Kämpfe endlich aufhören. Wir brauchen und wir wollen eine politische Lösung, nicht noch mehr Bomben und Raketen.«

Tatsächlich könnte der US-Angriff das bisher Erreichte für ein Ende der Kämpfe und politische Verhandlungen in Syrien zerstören. Bereits am Freitagmorgen werden neue Angriffe der Nusra-Front nördlich von Hama gemeldet, auch die islamistischen Kampfgruppen im Osten von Damaskus schicken Mörsergranaten in die Stadt. Die syrische Armee schlägt zurück, der seit Ende 2016 geltende Waffenstillstand im Land könnte brechen.

Mehr als 1300 lokale Waffenstillstände in Syrien sind ein klares Votum der Menschen hier, dass der Krieg ein Ende haben soll. Syrische Kämpfer legen ihre Waffen nieder und werden in ein staatliches Amnestieprogramm eingegliedert. Diejenigen, die weiterkämpfen wollen, werden aus den Wohngebieten abtransportiert und nach Idlib oder in die Türkei gebracht.

Am Samstagmorgen sollten solche Kämpfer aus Al Waer, einer Satellitenstadt bei Homs, nach Idlib evakuiert werden. Seit mehr als einem Jahr wartet die lokale Bevölkerung darauf, dass die Kämpfer endlich abziehen. Der US-Angriff wird die Vereinbarung stoppen. Wieder einmal hat die Gewalt sich durchgesetzt.

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