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Könige, Maoisten und Wasserkraft

  • Von Gilbert Kolonko
  • Lesedauer: 2 Min.

Am 13. Februar 1996 griffen in Nepal maoistische Aufständische zu den Waffen. Die Angehörigen der niederen Kasten auf dem Land unterstützten sie. Den Nepalesen erschienen die politischen Parteien Nepal Kongress und UML, deren Mitglieder vorwiegend Anhänger der hochkastigen Brahmanen sind, als noch korrupter als der König. 2005 löste der ungeliebte König Gyanendra das Parlament auf. Auch die Rebellen hatten wegen ihres kompromisslosen Vorgehens an Unterstützung verloren, wer konnte, floh vom Land in die Stadt. Doch dann schlossen sie sich einem Bündnis der Zivilbevölkerung an, das gegen Gyanendra mobil machte. Auf diesen Zug waren auch schon Kongress und die UML aufgesprungen.

Nach der Abdankung des Königs wurde Ende 2006 ein Friedensabkommen mit den maoistischen Rebellen geschlossen. Diese gliederten sich in den politischen Prozess ein und gewannen 2008 die ersten freien Wahlen mit über 40 Prozent der Stimmen.

Doch schnell verstritten sich die Maoisten. Vor allem Mohang Baidya, der die meiste Zeit des Aufstandes in Indien im Gefängnis saß, verstand nicht, dass sich die Menschen von den Maoisten eine Verbesserung der Lebensumstände erhofften und keine ideologischen Experimente. So wurden sie bei den Wahlen 2013 abgestraft.

Im Sommer 2016 schlossen die Maoisten dann als Juniorpartner ein Bündnis mit dem Nepal Kongress. Ihr Führer Dahal (Kampfname »Prachanda«) bekam sogar das Amt des Ministerpräsidenten. Janardan Sharma wurde Energieminister und drückte im September Kulman Ghising als neuen Chef der staatlichen Energiebetriebes NEA durch. Schnell formierte sich heftiger Widerstand der alten Garde der NEA, doch Sharma entließ drei ihrer Vertreter. Schon im Oktober hatte Katmandu kaum noch Stromausfälle, davor waren es sechs bis zwölf Stunden am Tag. Dieser Trend setzte sich rasant im Rest des Landes fort, obwohl keine neuen Stromquellen erschlossen wurden.

Nepal produziert zurzeit etwa 900 Megawatt Strom für seine 28 Millionen Einwohner. Doch da das Land nach Brasilien die zweitgrößten Wasservorkommen der Erde besitzt, wird Nepal zugetraut 83 000 Megawatt Strom alleine aus Wasserkraftwerken zu gewinnen.

Die politische Gesamtsituation ist jedoch weiterhin ein einziges Chaos, da sich die alten Eliten aus den Mittelgebirgsregionen und die des Flachlandes (Terai) um die Pfründe streiten. Dazu gibt es seit neun Jahren beinahe jedes halbe Jahr eine neue Regierung.

Wenn sich die ehemaligen Rebellen jedoch weiterhin darauf konzentrieren, die Lebenssituation der Menschen zu verbessern, statt auf ideologische Grabenkämpfe, könnten sie 2018 eine neue Chance erhalten.

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