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Baden mit Blick auf den Bahnhof

Am 7. Juni empfängt Potsdams neues Sport- und Freizeitbad »blu« seine ersten Gäste

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Spiegelglatt und zartblau schimmert die Wasserfläche, ein leichter Hauch von Chlor überdeckt den ansonsten dominierenden Geruch nach Farbe und Lösungsmitteln. Das Becken ist randvoll und wird langsam auf Betriebstemperatur gebracht. Tauchtiefe 2,05 Meter, die Sprunggrube am Drei-Meter-Turm ist 3,75 Meter tief. Auf der Balustrade gibt es Sitzbänke für 400 Personen. Schwimmhallenchef Björn Meding, der bislang auch die Halle aus DDR-Zeiten auf der anderen Seite der Max-Planck-Straße leitet, ist sichtlich zufrieden.

Durch die Fenster hinter den Startblöcken freilich fällt der Blick auf eine wahre Mondlandschaft zwischen den Bauzäunen an der Max-Planck-Straße und der Heinrich-Mann-Allee in Sichtweite des Hauptbahnhofs. Hier, wo in wenigen Wochen neben dem Eingangsbereich vor allem die Haltestelle und die Wendeschleife für die Schulbusse, die Fahrradstellfläche, Pkw-Parkplätze und die Zufahrt zur Tiefgarage fertig sein müssen, gibt es bislang weder Weg noch Steg.

»Das werden wir im Zuge der Inbetriebnahme bis Ende Mai hinkriegen«, sagte Projektmanager Knut Nell am Dienstagabend bei einem Vor-Ort-Termin zuversichtlich. Restarbeiten ließen sich sicher noch in den Wochen danach erledigen. »Die Liegewiese hinter der Halle wird bis zur Eröffnung leider nicht fertig. Dort brauchen wir noch bis Juni oder Juli.«

Dass der Schwimmsportbereich mit dem wettkampftauglichen 50-Meter-Becken betriebsbereit scheint, beruhigt ein wenig. Denn ansonsten wirkt das Sport- und Freizeitbad »blu« innen wie außen alles andere als fertig. Und das, obwohl der Neubau Am Brauhausberg 1 in sechs Wochen, am 31. Mai, seine Generalprobe bestehen muss. Dann dürfen erstmals 500 Gäste, per Los ausgewählte Potsdamer und »interessierte Mitarbeiter«, alle Einrichtungen des neuen Badespaßtempels testen. Darüber informierte am Dienstag, Horst Müller-Zinsius, Geschäftsführer der Stadtwerke Potsdam GmbH (SWP).

Der dreigeschossige Bau nach einem Entwurf des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) verspricht Raum für Sport, Entspannung und Freizeitspaß. Im Erdgeschoss findet sich, vom Sportbereich getrennt, das Familienbad. Es bietet neben einem Kleinkinderbecken mit Rutsche und Spielgeräten ein großes Freizeitbecken mit Wellenrutsche sowie eine 114 Meter lange Röhrenrutsche mit Einstieg auf dem Dach des großzügig verglasten Gebäudes, einen Strömungskanal und Sprudelliegen. Im Sommer lädt die Liegewiese ins Freie.

Im ersten Stock betreibt das Unternehmen World of Pizza ein Selbstbedienungsrestaurant. Darüber liegt die Saunalandschaft mit mehreren Saunen, Dampfbad, türkischem Hamam, Ruhe- und Massageräumen und einem kleinen Schwimmbecken zwischen Innenbereich und Dachterrasse.

Die Kapazität des Bades ist durch die Zahl der 1200 Spinde begrenzt. Und da nur 150 Pkw-Stellplätze geplant sind, werden Nutzer von Nahverkehr und Fahrrad im Vorteil sein.

Nach dem Probelauf bleibt nur knapp eine Woche, um beim Test aufgetretene Probleme und Mängel zu beseitigen, denn am 6. Juni 2017 wird »blu« vor geladenen Gästen, allen voran Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der Öffentlichkeit präsentiert.

Offizieller Eröffnungstermin soll der 7. Juni sein, teilten die SWP, die Bäderlandschaft Potsdam und das Emproc Bauprojektmanagement mit. »Mit diesem jetzt verbindlichen Termin haben wir unser im Herbst 2016 festgelegtes Ziel, das neue Bad nach einem der damaligen Situation angepassten Zeitplan Ende Mai zu eröffnen, nahezu punktgenau erfüllt«, sagte Müller-Zinsius. Zuvor hatten die Geschäftsführer der Unternehmen die »Kommission zur Begleitung des Neubaus eines Sport- und Freizeitbades am Brauhausberg« über den Stand der Bauarbeiten informiert. Das Gremium war am Dienstag zur 9. und letzten Sitzung vor der Eröffnung zusammengekommen.

Ursprünglich hatte das »blu« - der Name steht für das Tiefblau im Italienischen - im Dezember 2016 öffnen sollen. Auch bei den Kosten wurde gepatzt, statt geplanter 36,2 Millionen Euro wurden 39,6 Millionen Euro ausgeben. »Dafür gab es eine Reihe von objektiven Faktoren«, fasste Müller-Zinsius die Gründe zusammen. Doch insgesamt sei man im Plan.

Dass die 1971 am Brauhausberg eröffnete Schwimmhalle den gehobenen Ansprüchen der Landeshauptstadt nicht mehr genügen würde, zeigte sich bereits 1996. Damals beschlossen die Stadtverordneten die Errichtung eines Freizeitparks mit Spaßbad. Ein erstes Projekt im Stadtteil Drewitz scheiterte an der Finanzierung. 2005 sollte es dann der ganz große Wurf werden, als die Stadtwerke den brasilianische Stararchitekten Oscar Niemeyer (1907-2012) mit dem Entwurf eines Spaßbades am Brauhausberg beauftragten. Dessen futuristische Kuppelanlage war der Stadt dann aber doch zu teuer, denn das Land versagte die Fördermittel. 2012 entschieden sich die Bürger dann gegen einen zwischenzeitlich diskutierten Neubau im Bornstedter Feld und für den Brauhausberg.

Die alte Schwimmhalle wird am 21. Mai zum letzten Mal geöffnet sein, ihre Betriebserlaubnis erlischt zum 31. Mai. Anschließend ziehen Teile der Inneneinrichtung ins »blu« um. 2018 soll die alte Halle abgerissen werden, das Grundstück an der Max-Planck-Straße soll noch 2017 zum Verkauf ausgeschrieben werden. Am Brauhausberg entsteht in den kommenden Jahren ein Wohngebiet - für betuchte Potsdamer und Zuzügler.

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