Glücksspielgewinne kassierte die Stadt ein

Das thüringische Mühlhausen hat seine Statuten-Handschrift von 1311 wieder - künftig wird sie selten zu sehen sein

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Die Historikerin Antje Schloms mit dem teuren Stück

Mühlhausen. Eine 700 Jahre alte Handschrift ist ins Mühlhäuser Stadtarchiv zurückgekehrt. Die Statuten von 1311 sind nach Angaben der Stadt einzigartig für Mitteldeutschland und wurden am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt. »Die darin enthaltenen Regelungen zu Strafrecht, Finanzen und Verhaltensvorschriften geben einen tiefen Einblick in den Alltag des mittelalterlichen Mühlhausen«, sagte Historikerin Antje Schloms.

Die 31-seitige Handschrift war wegen starker Beschädigungen zuvor vier Monate lang im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung restauriert worden. Sie wird nun in einem Spezialkarton im Reichsstädtischen Archiv aufbewahrt. Wurm- und Tintenfraß, Licht- und Bindeschäden hätten von Fachleuten beseitigt werden müssen, berichtete die Historikerin. Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) habe die Kosten von fast 1900 Euro übernommen. »Auch nach der Restaurierung gut erkennbar sind die Messerstriche«, erklärte Schloms. Damit seien die Statuten 1351 ungültig gemacht worden, weil neue herausgegeben wurden. Die im Holzeinband enthaltenen Regelungen hatten es in sich: Steuern waren zu bestimmten Zeiten in der Kämmerei zu entrichten. Jeder, der beim illegalen Würfelspiel erwischt wurde, musste seinen Gewinn an die Stadt herausrücken. Auf den dicht beschriebenen Seiten kann man in lateinischer Sprache Finanz- und Verhaltensregeln nachlesen. Demnach war auch Gotteslästerung verboten. Ähnliche Statuten aus dieser Zeit sind aus Reichsstädten wie Wien (1350) und Augsburg (1276) bekannt.

»Eine Dauerausstellung wird es nie wieder geben«, sagte Schloms. Nur zu besonderen Anlässen werde der wertvolle Band aus dem Reichsstädtischen Archiv geholt. In der deutschlandweit einzigartigen Sammlung im Keller des Mühlhäuser Rathauses gibt es 30 derartige Bände mit »Statuten und Willküren«.

Wann der älteste Band aus der Sammlung das erste Mal wieder der Öffentlichkeit gezeigt wird, steht noch nicht fest. Die restaurierte Fassung soll den Angaben nach nun digitalisiert, um sie für Forschungszwecke anbieten zu können. dpa/nd

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