Von Jirka Grahl

Spekulation auf den Tod

Mutmaßlicher Attentäter von Dortmund festgenommen, sein Tatmotiv war offenbar Geldgier

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Markierung der Polizei am Tatort in Dortmund

Keine Islamisten, keine Rechtsradikalen und schon gar keine Fußballfans: Ein schlichtweg habgieriger 28-Jähriger aus Baden-Württemberg soll nach Ansicht der Bundesanwaltschaft den Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund verübt haben, bei dem vor zehn Tagen der Spieler Marc Bartra schwer verletzt worden war. Mordversuch in 20 Fällen - nach Ansicht der Ermittler hat der Täter darauf spekuliert, durch fallende Kurse der BVB-Aktie Gewinne einzustreichen.

Nachdem sich Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt und nordrhein-westfälische Polizei in den vergangenen Tagen mit Hochdruck um Aufklärung bemüht hatten, nahmen Ermittler der Spezialeinheit GSG 9 den Tatverdächtigen am Freitagmorgen in der Nähe seines Arbeitsortes Tübingen fest, wo er seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Tübinger Heizwerk tätig war.

Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen und Mittäter bei dem Anschlag gebe es bislang nicht, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz. Dort präsentierten die Ermittler ihre Version vom Ablauf des Anschlags. Demnach soll Sergej W. Mitte März ein Zimmer für den Zeitraum vom 9. bis 13. April sowie für den Zeitraum vom 16. bis 20. April im Dortmunder Teamhotel L’Arrivée gebucht haben. Zwei Buchungen für zwei Aufenthalte - offenbar, weil im März noch nicht feststand, wann genau der BVB sein Heimspiel gegen Monaco austragen würde. Schließlich habe der mutmaßliche Täter am 9. April »ein Zimmer im Dachgeschoss des Hotels mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen«. Am 11. April, dem Tag des Anschlags, soll W. über einen Online-Anschluss des Hotels Aktienkäufe abgewickelt haben. Für den Kauf der Optionen soll W. am 3. April einen Kredit über »mehrere Zehntausend Euro« aufgenommen haben.

Angesichts des perfiden Plans zeigten sich die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund entsetzt: Klubchef Hans-Joachim Watzke nannte die Tat »Wahnsinn«, Trainer Thomas Tuchel reagierte mit Entsetzen und Unverständnis: »Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, weder emotional noch rational«, sagte er. Die Verarbeitung falle der Mannschaft schwer: »Mir steht es nicht zu, das von meinen Spielern wie gewohnt einzufordern, weil es eben nicht jedem so gut geht wie mir. Man muss vorsichtig sein. Jeder hat das Recht, das in seinem Tempo zu verarbeiten.« Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer wünschte sich, noch genauere Hintergründe des Anschlags zu erfahren. Für alle, die im Bus gesessen hätten, »wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern«.

Dem Verdächtigen wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Mann sollte noch am Freitagnachmittag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

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