Werbung

19 Strafanzeigen nach Brandenburg-Derby

Neonazistische Ausfälle und Platzsturm von Energie-Cottbus-Anhängern / Pyrotechnik im Fanblock der Lausitzer und Babelsberger Gastgeber

Potsdam. Hitlergruß, volksverhetzende Gesänge, Platzsturm und Pyrotechnik-Würfe – Krawalle ausgehend von Anhängern des FC Energie Cottbus beim Regionalligaspiel gegen den SV Babelsberg 03 haben 19 Strafanzeigen nach sich gezogen.

Wie der rbb berichtet, wird gegen 14 Anhänger von Energie Cottbus unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Landfriedensbruch und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Auch gegen fünf Fans von Babelsberg nahm die Polizei Strafanzeigen auf, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Raub und Beleidigung.

Das Viertligaspiel in Babelsberg, das mit 2:1 endete, wurde am Freitagabend zweimal minutenlang unterbrochen. Zunächst waren etwa zehn Cottbuser Fans auf den Rasen gestürmt und versuchten die gegnerischen Babelsberg-Fans anzugreifen. Den Ordnern gelang es nur mit Hilfe von Bereitschaftspolizisten, die Gewaltsuchenden zurückzudrängen und teilweise in Gewahrsam zu nehmen.

In der zweiten Halbzeit wurde die Partie erneut unterbrochen, weil Cottbuser Fans offenbar den Zaun zum Rasen hochkletterten und erneut Pyrotechnik zündeten. Polizebeamte setzten Pfefferspray gegen sie ein. Aus dem Gästeblock wurden dennoch Leuchtspurmunition, bengalische Fackeln und Böller in den Heimbereich geschossen. Auch in der Nordkurve wurde Pyrotechnik gezündet.

Ein schwarzer Block von etwa 50 Vermummten unter den insgesamt 400 Cottbus-Fäns skandierte mehrfach sexistische und volksverhetzende Gesänge wie »Arbeit macht frei – Babelsberg 03«, präsentierte ein Banner mit der Aufschrift »H8«, mehrere Personen zeigten den Hitlergruß. Auch das Banner der bereits 2006 mit Stadionverbot belegten Neonazi-Hooligan-Gruppierung »NS Boys Chemnitz«, das einen Hitler-Jungen zeigt, wurde präsentiert. Die engen Verbindungen zwischen rechtsextremen Fangruppen in Cottbus, Chemitz und Leipzig sind seit Jahren bekannt.

Auf der Webseite des Cottbuser Regionalligisten äußerte sich FC-Energie-Geschäftsfüherer Normen Kothe. Über die Randalierer sagte er: »Diese Personen wollen kein Fußballspiel sehen und kennen anscheinend keine rechtsstaatlichen Grenzen mehr.«

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der selbst im Stadion war, sagte dem rbb: »Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun.« Das gegenseitige Beschießen mit Feuerwerkskörpern sei furchtbar. Er nannte als Lösungsansatz einzig die Frage, ob die Einlasskontrollen gründlicher sein müssten.

Auf die sich seit Jahren wiederholenden Angriffe des rechtsextremen Cottbusser Anhangs auf Fans anderer Vereine wie Babelsberg oder auch Dynamo Dresden gingen weder der FC Energie noch Jakobs am Freitag ein. Erst im November beim Regionalligahinspiel in Cottbus hatten 100 Personen im Sitzplatzbereich rechtsradikale Parolen gegrölt und den Hitlergruß gezeigt. Beim Landespokalhalbfinale vor zwei Jahren zeigte der Cottbuser Anhang ebenfalls unter anderem mit einem Tansparent mit der Aufschrift »ZCKN, ZGNR & JDN« (Szenecode für »Zecken, Zigeuner und Juden«) seine Gesinnung.

Levi Salomon, Sprecher des Vereins Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus, äußerte sich gegenüber den »Potsdamer Neuesten Nachrichten« schockiert, darüber, dass »wiederholt gewalttätige Fußballfans eine gesamte Spielpartie ungestört volksverhetzende sowie antisemitische Inhalte skandieren und ein vermummter Block grölend den Holocaust verherrlicht«. Er hoffe, dass die Täter strafrechtlich belangt werden und sich derartige Szenen nicht wiederholen. nd/Agenturen

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln