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Freizeitskipper fühlen sich vertrieben

Proteste gegen Sperrzone um Inseln in Schweriner See

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Ein Wortungetüm vergällt Freizeitskippern den Spaß am Schweriner See: die »Naturschutzgebietsverfahrensverordnung«. Jener verbale Lindwurm hatte die Inseln Kaninchenwerder und Ziegelwerder bereits 2015 mit einer 100 Meter breiten Sperrzone umgürtelt. Segel- und andere Boote dürfen dort nicht mehr ankern und auch nicht früher gern genutzte Buchten ansteuern. Gegen diese Order, seinerzeit auf Antrag des Schweriner Umweltministeriums vom Bundesverkehrsministerium erlassen, haben jetzt gut 200 Wassersportler vor dem Schweriner Schloss demonstriert. »Gegen die Vertreibung des Menschen aus der Natur« hieß das Motto des Protestes, organisiert von der »Interessengemeinschaft Schweriner See und Umland (ISSU)«.

Der Mensch aber könne, wenn er sich dem Ufer nähert, die dort brütenden Vögel vertreiben, hält der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) entgegen. Aktivisten aus seinen Reihen hatten einen Infostand aufgebaut, ganz in der Nähe der demonstrierenden Wassersportler. Vorrangiges Ziel der BUND-Gruppe war es, die Schlossbucht zu beobachten, denn: In ihr sollte mit Booten gegen die Sperrung der Inselzufahrten demonstriert werden, hatte die ISSU angeregt. Das aber war von der Stadt Schwerin untersagt worden, nachdem der Umweltbund das Amtsgericht eingeschaltet und auf die in der Bucht brütenden Vögel hingewiesen hatte.

Zahlreiche Wasservögel seien auch auf den Inseln Zuhaus, gibt der BUND zu bedenken. Danach brüten in den Uferzonen von Kaninchenwerder zwölf Wasservogelarten; etwa 80 Brutplätze seien von Experten gezählt worden. Und an der Westseite von Ziegelwerder lägen mehr als 150 Brutreviere in unmittelbarer Nähe der von den Freizeitskippern geforderten Liegeplätze in Schilfbuchten.

In diese Schutzbereiche, so erinnert der BUND, seien Wassersportler vor Erlass der Sperrzone »Jahr für Jahr« hineingefahren. Durch die ankernden Boote und die auf ihnen angekommenen Badegäste, die zum Teil im geschützten Ufergebiet planschten, seien die brütenden Vögel erheblich gestört worden.

Die Wassersportler meinen dagegen, das Erscheinen von Menschen in ihrer Nähe sei für diese Tiere nichts Ungewöhnliches, sie hätten sich im Verlauf von Jahrzehnten daran gewöhnt und fühlten sich deshalb auch nicht gestört. Fraglos sind beide Inseln, die bereits 1935 zu Naturschutzgebieten erklärt worden waren, sehr beliebte Ausflugsziele. Allein auf Kaninchenwerder wurden in den 1970er und 1980er Jahren über 20 000 Besucherinnen und Besucher pro Saison gezählt.

Zu ihnen möchten auch die Wassersportler gern weiter gehören. Sie hatten schon vor geraumer Zeit dem Bundesverkehrsministerium einen Kompromiss angeboten: Von den sieben bislang gesperrten Buchten sollten drei, vielleicht auch vier wieder frei gegeben werden. Ein Vorschlag, der auch das Wohlgefallen der Stadt Schwerin fand, doch über den noch immer nicht entschieden worden ist.

Bund und Land scheinen sich in der Sache nicht einig zu sein. Das Bundesumweltministerium blockiere die Lockerungen des Anlegeverbots, geht aus einem Flyer der ISSU hervor. Und: Die Ministerialbeamten in Berlin hätten die »nötige Lösung des Konflikts auf Landesebene« eingefordert, Naturschutzregeln müssten dort überarbeitet werden. Doch aus dem Agrarministerium in Schwerin, so beklagen die Wassersportler, gebe es bislang kein konkretes Signal.

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