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Etwas Würde zurückgewinnen

Geflüchtete berieten in München, wie sie ihre Interessen in Deutschland wirksamer vertreten können

  • Von Gisela Duerselen, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Wir sind wieder hier« - das Motto von Refugee Struggle For Freedom galt auch für dieses Treffen. Neben dem Asylrecht, sicheren Herkunftsländern und der Mitverantwortung des globalen Nordens für Fluchtursachen waren auch hierarchische Strukturen innerhalb der antirassistischen Kämpfe Thema.

»Wir wollen keine Probleme machen. Aber wir wollen sprechen und gehört werden«, sagt Mustafa Hasan aus Somalia, der seit fast vier Jahren in der Nähe von Frankfurt in einem Lager für Asylbewerber lebt. Einmal habe er beinahe einen Job am Frankfurter Flughafen bekommen. Doch der ging ihm durch die Lappen, als die Firma seinen Pass sehen wollte und er nur die Papiere vom Bundesamt vorzeigen konnte. Statt weiter untätig auf etwas zu warten, schloss Mustafa sich der Gruppe Refugees For Change an. Das gab ihm etwas von seiner Würde zurück - und damit das Gefühl der Selbstbestimmung.

»Gleichheit« lautete ein Grundsatz auf dem Münchner Kongress. So gab es nach außen hin weder einen zentralen Veranstalter noch Sprecher. Alle durften sagen, was ihnen wichtig erschien, so war Mustafa Hasan nur eine von mehreren Personen, die ihr Fazit aus dem Wochenende zogen.

Bei den Debatten selbst waren Deutsche nicht zugelassen. Es erschien den Anwesenden wichtig, sich selbst, ohne Einmischung von außen, zu organisieren. So wollen Geflüchtete an die Mobilisierungen der Netzwerken wie Karawane und The Voice Refugee Forum der 1990er Jahre anknüpfen und sich wieder verstärkt Gehör in der deutschen Öffentlichkeit verschaffen.

Wichtige Fragen des Wochenendes betrafen das Verhältnis zwischen Geflüchteten und einheimischer Gesellschaft: Welche Strategien fördern die öffentliche Wahrnehmung? Wie verstehen deutsche Menschen, dass sie selbst Opfer des Systems sind? Wie Geflüchtete vom Sinn des gemeinsamen Widerstands überzeugen?

Viele, selbst Aktivisten, vertrauten Deutschen mehr als anderen Geflüchteten, sagt Mustafa Biaye aus dem Senegal. Wer neu in einem Land ankomme, suche Kontakt zu den Einheimischen und suche dort Kompetenz und Stärke, so Biaye weiter. Geflüchtete bezögen sich dagegen wenig auf einander, fürchteten zudem, durch politische Aktivitäten ihre Unterstützung durch das Bundesamt zu verlieren. Dies führe zu einer Hie- rarchisierung innerhalb der antirassistischen Kämpfe, bemängelt der senegalesische Aktivist. »Daher ist das Wichtigste das Vertrauen zwischen den Aktivisten - egal, woher wir kommen und egal, wer wir sind«, so Biaye.

Wer sich mit den Geflüchteten solidarisieren möchte, kann dies auf unterschiedliche Arten tun. Der Widerstand brauche zum einen finanzielle Unterstützung: für Zugtickets und Verpflegung bei Protestaktionen zum Beispiel. Auch sei es wichtig, Themen in die Öffentlichkeit zu tragen und ein Bewusstsein etwa für Fluchtursachen zu schaffen, so das Resumee des Zusammentreffens. Die größtmögliche Unterstützung liege jedoch darin, so Mustafa Biaye, die Regierung der Bundesrepublik aufzufordern, mit ihrer Kriegstreiberei aufzuhören: »Sagt, sie sollen keinen Krieg mehr führen. Nicht mit Waffen und nicht mit Exporten«, so Biaye. »Wenn ihr uns hier nicht haben wollt, dann hört auf, unsere Länder zu kontrollieren.« Bis dahin kämen immer mehr Flüchtlinge, um hier für ihre Menschenrechte zu kämpfen.

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