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Tausende sauer auf Milch-Müller

Protest gegen Schließung von vier Homann-Werken in drei Bundesländern

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»Kleine alltägliche Glücksmomente« beschere der Kartoffelsalat von Homann, verheißt jener Feinkosthersteller im Internet. Bei vielen Mitarbeitern aber sorgt das Unternehmen zurzeit für unglückliche Gesichter: Vier Werke werden 2020 dicht gemacht. Diese liegen in Dissen und Bad Essen, beides Orte nahe Osnabrück in Niedersachsen, sowie im nordrhein-westfälischen Bottrop und in Floh-Seligenthal, einer Gemeinde im Norden Thüringens.

Salate und manches mehr, das Homann noch an diesen Standorten produziert, werden voraussichtlich in drei Jahren aus Sachsen kommen. Aus einem neuen Werk, das für 500 Millionen Euro im kleinen Leppersdorf gebaut werden soll, einem Ortsteil der Gemeinde Wachau im Kreis Bautzen.

Ausgekocht hat all das Homanns Mutterkonzern, die Firmengruppe Theo Müller in Luxemburg, bei Verbrauchern vor allem bekannt durch »Müller-Milch«. Gut 27 000 Menschen arbeiten unter dem Dach jenes Unternehmens, etwa 3000 in den sieben Homann-Werken. Das sind neben den Produktionsstätten, die geschlossen werden sollen, die Niederlassungen in Rogätz/Brandenburg, Sassnitz auf Rügen und im polnischen Poznań.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, würden die vier Werke geschlossen und die Produktion in Sachsen gebündelt - so etwa begründet Müller das Aus für die Produktionsstätten, an denen sich nun Widerstand regt. So jüngst bei einer Kundgebung am Homann-Stammsitz in Dissen. Über 4000 Menschen waren dort zusammengekommen, wo Fritz Homann 1876 seine Fabrik für Fleisch- und Wurstwaren gegründet hatte und wo jetzt gut 1000 Beschäftigte um den Arbeitsplatz bangen.

Beachtlichen Erfolg brachte der Firma 1924 die Idee, Margarine auf den Markt zu bringen. Das Sortiment erweiterte sich, das Unternehmen ebenfalls: Inzwischen gehören zu Homann weitere Marken, beispielsweise Nadler, Rügen-Fisch und Pfennigs Feinkost. Homann wiederum ist seit 2012 Teil des Konzerns Theo Müller.

Gegen jene Unternehmensgruppe richtet sich der geballte Unmut vieler Mitarbeiter, Gewerkschafter, Politiker und weiterer Unterstützer, die jetzt vor dem Stammwerk demonstrierten, unter ihnen Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Er befürchtet, im künftigen Homann-Werk in Sachsen könnte das Unternehmen Billiglohnkräfte aus Osteuropa beschäftigen. Zu prüfen sei, so Lies, ob für den neuen Standort Subventionen aus EU-Mitteln zugesagt wurden, denn: »Standortverlagerungen dürfen nicht ohne Weiteres gefördert werden.« Die Schließung werde Niedersachsen nicht einfach hinnehmen, sagte Lies und kündigte ein Gespräch mit der Müller-Spitze an.

Sein Amtskollege in Nordrhein-Westfalen, Michael Groschek (SPD), war am selben Tag auf einer Protestkundgebung gegen die Schließung des Homann-Nadler-Werks in Bottrop zugegen. Dort fallen 230 Arbeitsplätze weg, wenn Müller seine Pläne wahr macht. »Wer auf diese Weise Sozialabbau betreibt, wird erleben, wie uns der Appetit auf seine Produkte vergeht«, so Groschek.

Absolut keinen Appetit haben Homann-Mitarbeiter offenbar auf einen Umzug nach Sachsen, wo ihnen Homann eine Weiterbeschäftigung anbietet. Nicht wenige »Homänner« haben unweit ihres derzeitigen Arbeitsplatzes ein Häuschen gebaut, wollen die Region nicht verlassen, in der sie seit vielen Jahren auf ein solides Traditionsunternehmen vertrauten.

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