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Rauschgift aus Rio

Ermittlungsgruppe von Polizei und Zoll ist seit 1997 der Drogenkriminalität auf der Spur

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Man nannte ihn den Paten von Forst. Mit seiner Familie, Tochter und Sohn machten mit, schmuggelte er die synthetische Droge Crystal Meth von Tschechien in die Lausitz. Die Bande ging clever vor, berichtet Georg Herold. Zusammen mit André Frölich leitet er in Brandenburg die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Zoll und Polizei.

Die Familie traf sich jeweils mit drei bis vier Autos an einer Tankstelle südlich von Forst und fuhr dann in den Grenzort Petrovice, besuchte dort die Asiamärkte, traf Absprachen, bestellte die Drogen, die zunächst in einem Erdbunker gelagert und erst am nächsten Tag abgeholt wurden. Bei der Schmuggelfahrt über die Grenze gab es ein Vorauskommando von zwei Autos. Die Fahrer telefonierten durch, ob sie Polizei und Zoll sehen oder die Strecke frei ist.

2015 wurde die GER auf den Paten von Forst aufmerksam und bildete den Ermittlungskomplex »Babsi«. Ein Jahr lang observierte sie die Kriminellen, bevor sie ein klares Bild über die Zusammenhänge hatte. Dann griff am 22. Mai 2016 ein Spezialeinsatzkommando der Polizei auf einer Bundesstraße im sächsischen Weißwasser zu. 58 Gramm Crystal Meth fanden die Beamten in einem Wagen. »Das mag nicht viel klingen«, weiß Herold. Doch daraus lassen sich rund 300 Konsumeinheiten machen und zu je 80 Euro verkaufen. Den Schmuggel von 1,5 Kilogramm Crystal Meth konnte die GER dem Paten von Forst und seinen Kindern nachweisen. Im April 2017 hat das Landgericht Cottbus alle drei verurteilt - den Vater zu dreieinhalb Jahren Haft, die Tochter zu zwei Jahren und neun Monaten, den Sohn zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Viele Leute bezweifelten, dass neben dem Kampf gegen Terror und Autoklau die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität überhaupt wichtig sei, sagt Landeskriminalamtschef Dirk Volkland am Mittwoch in Eberswalde. Doch 2016 habe es 7365 Fälle von Rauschgiftkriminalität gegeben und 21 Drogentote. 2012 seien es noch 4480 Fälle und zwei Tote gewesen. Man müsse auch an die Beschaffungskriminalität denken, erklärt Volkland. Wer von Crystal Meth abhängig sei, benötige pro Tag rund 100 Euro, um seine Sucht zu befriedigen. Mit gewöhnlicher Erwerbsarbeit ist diese Summe kaum aufzubringen.

Derzeit hat es die GER zunehmend mit synthetischen Drogen wie Crystal Meth zu tun. Früher spielte Kokain eine größere Rolle. Ein Beispiel dafür war der Ermittlungskomplex »Abidjan«, benannt nach einer Stadt im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste. Dort hatte ein Bandenchef eine Villa, in der er die Wintermonate verbrachte. Den Winter 2009/10 aber nicht mehr. Bevor er wieder nach Abidjan fliegen konnte, schlug die Polizei zu, verhaftete ihn im September in Deutschland. Aufgerollt wurden seine Aktivitäten, nachdem 2008 in Brasilien ein Mann verhaftet wurde, der mit vier Kilogramm Kokain in einem präparierten Koffer über Paris nach Berlin-Tegel fliegen wollte. Dieser Drogenkurier lebte damals in Biesenthal (Barnim). Die GER durchsuchte seine Wohnung und fand heraus, dass er dort oft von einem Mann besucht wurde, der über sein Autokennzeichen identifiziert werden konnte. Dieser Mann hatte oft in Hotels an der Copacabana in Rio de Janeiro angerufen.

Von einem Verdächtigen hangelte sich die GER zum anderen, durchleuchtete Finanztransaktionen, hörte Telefone ab und observierte die Busreise eines Drogenkuriers von Berlin über Brüssel und Paris nach London, wobei an den Grenzen jeweils belgische, französische und englische Kollegen übernahmen. Festgenommen wurden unter anderem eine Frau mit drei Kilogramm Kokain und ein Mann aus der Nähe von Oranienburg mit 12,25 Kilogramm. Die Täter bekamen bis zu achteinhalb Jahre Haft.

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