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Kein Sexskandal bei der AfD

Robert D. Meyer über die misslungene Berichterstattung von correctiv.org über Doppelmoral

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Recherchebüro correctiv.org unternahm am Dienstag den Versuch, einen solchen Fall von politischer Doppelmoral aufzudecken. Im Zentrum der Geschichte steht eine AfD-Kandidatin zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Iris Dworeck-Danielowski ist auf Listenplatz zehn die wichtigste Frau im Wahlkampf der Rechtsaußenpartei. Correctiv-Gründer David Schraven und Mitautor Georg Kontekakis fanden heraus, dass die AfD-Politikerin vor ihrer Parteikarriere nebenher als Sexarbeiterin unterwegs war. An sich ist das ihre Privatsache, es sei denn, es würde ein Fall von Doppelmoral vorliegen. Was das betrifft, so steht die Rechtsaußenpartei für ein piefiges Reihenhausidyll, in dem der Mann arbeitet, die Frau Kinder großzieht und jede Abweichung von diesem Lebensmodell der 1950er Jahre als »rot-grüner Genderwahnsinn« abgekanzelt wird. Eine Lobbypartei für Sexarbeiterinnen ist die AfD jedenfalls nicht. Unter diesem Blickwinkel hätte sich vielleicht eine Geschichte erzählen lassen, doch Correctiv blies seine Enthüllung zu einem »Sexskandal« auf, wo keiner ist.

Stefan Winterbauer merkt auf meedia.de an, dass sich das Recherchebüro »über die Boulevardmethoden einer Bild-Zeitung« in nächster Zeit nicht mehr aufzuregen brauche. In der Tat beschreibt der Text »detailliert, welche Dienste die AfD-Politikerin auf welchen Sex-Seiten im Internet angeboten hat«. Warum dies nötig ist, wenn es doch um das Aufzeigen von Doppelmoral gehe, bleibt unklar. Stefan Dörner, Chefredakteur beim IT-Magazin t3n schreibt auf Twitter, die Geschichte sei »nicht newsrelevant«, da sich Dworeck-Danielowski »nie zu Prostitution geäußert hat«. Lara Fritsche, Reporterin beim »Süddeutsche Zeitung Magazin« fragt ebenfalls über das soziale Netzwerk: »Welchem demokratischen Grundprinzip widerspricht es eigentlich, in einem langen Leben sowohl Prostituierte, als auch Politikerin zu sein?« Medienjournalist Stefan Niggemeier merkt auf uebermedien.de an: »Eine besondere Ironie ist es, dass Correctiv der AfD vorwirft, ein ›Frauenbild aus den 50er Jahren‹ durchsetzen zu wollen, gleichzeitig aber fünfzigerjahrehaft die sexuelle Betätigung der Kandidatin beschreibt und geißelt (›vermietete ihren Körper übers Internet‹).«

Schraven selbst rechtfertigte am Mittwoch die Veröffentlichung des Artikels. Er räumte zwar ein, dass die Formulierung »Sexskandal« ein Fehler gewesen sein, blieb aber ansonsten dabei, keine Fehler gemacht zu haben. Der Skandal sei, dass die Politikerin ihre Vergangenheit trotz Kandidatur verschwiegen habe, gerade weil ihr »Geheimnis im Widerspruch zur Idee der eigenen Partei steht«.

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