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Die Schule von morgen

Im Haus der Kulturen der Welt diskutieren Schüler und Experten über zukünftige Pädagogik

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 3 Min.

An einen Satz seiner Schülerin kann sich Sven Zimmerschied noch besonders erinnern: »Ich möchte später Gerechtigkeit studieren.« Das war kein Versprecher. Die aus Syrien geflüchtete Schülerin wollte tatsächlich mehr lernen darüber, was Gerechtigkeit bedeutet. »Das hat mich sehr bewegt.«

Zimmerschied ist Leiter der Friedensburg Oberschule in Charlottenburg. Zusammen mit zwölf anderen Europa-Schulen hat er am Projekt »Neue Expert*innen« teilgenommen. Von Dezember bis März haben seine Schüler darüber diskutiert, wie die Schule von morgen aussehen soll. Damit gaben sie den Startschuss für die Konferenz »Schools of tomorrow«, die von Donnerstag bis Samstag im Haus der Kulturen der Welt stattfindet.

Silvia Fehrmann hat die Konferenz zusammengestellt. Die Themen der Schüler seien in die Workshops eingeflossen, erzählt sie. Ihr Fazit: »Sie wünschen sich Schule als Schutzraum gegen Diskriminierung und Rassismus.« Und: »Schule muss offener werden für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen.« Darüber wollen die Schüler mehr sprechen, und auch über ihre Ängste.

Der Satz der Schülerin fiel in einem Workshop, indem eine achte Klasse zusammen mit einer Willkommensklasse und zwei syrischen Künstlern Trickfilme zu den Themen »Flucht« und »Heimat« gedreht hatten. Daraus entstehen noch keine neuen Unterrichtskonzepte, sagt Zimmerschied. Aber die Ergebnisse haben sich die Lehrer gegenseitig vorgestellt, sie fließen wieder in andere Projekte ein. Generell sieht er die Projektarbeit als Zukunftsmodell, da hier die Schüler individuell und nicht »in der Bankreihe« lernen.

Die Schüler sollten auch den Startschuss zur Konferenz am Donnerstagabend geben. Kuratorin Fehrmann sagt: »Sie werden den Künstlern und Wissenschaftlern heute einen Auftrag geben.«

Neben Lesungen und Expertenrunden sieht die Konferenz eine Workshopreihe vor, die sich auch mit der hiesigen Schulpraxis beschäftigt. Morgens gibt es gleich zwei Workshops mit Berliner Beteiligung: Unter dem Titel »Gegenentwürfe aus der Lehrmaschine« diskutieren María do Mar Castro Varela, Professorin für Pädagogik an der Alice Salomon Hochschule, mit Markus Schega, Schulleiter der Nürtingen-Grundschule in Kreuzberg, darüber, welche Lernkulturen eine heterogene Gesellschaft braucht. Unter dem Motto »Herausforderung Mehrsprachigkeit« spricht Jasmin Ibrahim vom JugendTheaterBüroBerlin mit Wilfried Stotzka, der aus seiner Praxis der bilingualen Staatlichen Europa-Schulen berichtet.

Am Nachmittag gewährt die Hagenbeck-Schule in Weißensee Einblicke in ihren Alltag. Unter dem Titel »Analoge Lernumgebungen« stellt Schulleiterin Claudia Krötenheerdt vor, wie sie einen Schulzoo und -bauernhof mit über 700 Tieren in den Unterricht integriert.

Am Samstag stehen dann auch die Schüler wieder im Mittelpunkt. Das Oberstufenzentrum Hans-Litten-Schule aus Charlottenburg stellt seine Projektarbeit vor: Ausgehend von der Architektur der Schulgebäude und ihrer nächsten Umgebung machten die Schüler eine fotografische Bestandsaufnahme. Entstanden ist ein raumgreifendes Bildermosaik, das durch einen Soundtrack ergänzt wird. Fehrmann sagt: »Die Schüler haben ihr Zusammenleben reflektiert und sich die Stadt erschlossen: Wo gibt es Schwellen? Wo gibt es Grenzen? Wo gehen Türen zu?«

Während sich die Besucher die Fotowand und Filme anschauen können, sind einige der Schüler andernorts: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sie eingeladen, um über ihre Vorstellungen von der Schule von morgen zu diskutieren. »Das ist natürlich der Hammer«, sagt Rektor Zimmerschied. Auch zwei seiner Schüler und ein Lehrer der Schule seien mit dabei. In kleinen Workshops haben sich die Schüler auf das Treffen mit dem Bundespräsidenten vorbereitet, kleine Kärtchen haben sie im Gepäck: »Damit keiner gehemmt ist, wenn er Fragen stellt.«

Schools of Tomorrow. Workshops und Vorträge. Freitag: 10 bis 19.30 Uhr, Samstag 12-20.30 Uhr. Haus der Kulturen der Welt www.hkw.de

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