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Schleichender Prozess

Fabian Lambeck erinnert an ein trauriges Jubiläum in München

Als auf den Tag genau vor vier Jahren der NSU-Prozess in München seinen Auftakt nahm, war das Medieninteresse so groß, dass die für Journalisten vorbehaltenen Plätze im Gerichtsaal per Losentscheid vergeben wurden. Doch mittlerweile ist eingetreten, was Aktivsten schon früh befürchtet hatten: Die lange Verfahrensdauer hat dazu geführt, dass die Verhandlungen heute quasi unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit stattfinden. Auch weil sich der Erkenntnisgewinn, den der Mammutprozess bislang brachte, in Grenzen hielt.

In den Untersuchungsausschüssen von Bundestag und Landesparlamenten kam viel mehr ans Tageslicht, aber eben längst nicht alles. Vieles bleibt Stückwerk und Vermutung. Die rätselhaften Tode von Zeugen, verschwundenen Akten und Verfassungsschützer mit Erinnerungslücken lassen vermuten, dass die deutschen Dienste tiefer in das NSU-Komplott verstrickt sind als offiziell bekannt.

Und in München? Hier dreht sich derzeit alles um die Frage, ob die Hauptangeklagte Beate Zschäpe voll schuldfähig ist. »Hoch pathologische Dependenz«, also starke psychische Abhängigkeit, attestiert ihr ein Gutachter und macht sie so zu einem weiteren Opfer ihrer NSU-Kumpane Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Der Prozess, der längst ein schleichender Zerfallsprozess ist, droht so endgültig zur Farce zu werden.

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