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Zu wenig Frauen auf Chefposten in der Justiz

Ramona Pisal, am Montag in Cottbus ins neue Amt eingeführt, ist Brandenburgs erste Landgerichtspräsidentin

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Frau Pisal, finden Sie es traurig, dass erst jetzt eine Frau an der Spitze eines Landgerichts in Brandenburg steht?

Sagen wir es umgekehrt: Ich freue mich, dass es jetzt eine Frau gibt. Denn ich habe als Gleichstellungsbeauftragte, die ich für die ordentliche Gerichtsbarkeit über 14 Jahre war, permanent darum gekämpft, dass es eine Frau irgendwann einmal wird. Dabei habe ich allerdings nie im Blick gehabt, dass ich die Frau sein könnte. Und ich bleibe hoffentlich nicht die einzige.

Wo sind Frauen im Justizbereich denn verstärkt zu finden?

Gerade in der Richterschaft ist es so, dass viele Frauen im sogenannten Eingangsamt sind. Das sind die Richter und Richterinnen am Amtsgericht und die beisitzenden Richterinnen und Richter am Landgericht. Aber wenn Sie in die erste Beförderungsstufe schauen, dann finden Sie dort eklatant weniger Frauen. Das ist nicht in Ordnung. Wir haben einen Frauenanteil von mehr als 60 Prozent im Eingangsamt in der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Brandenburg. In der zweiten Stufe sind es unter 30 Prozent.

Warum ist das so?

Dafür gibt es ganz verschiedene Gründe. Viele davon liegen in den persönlichen Lebensentscheidungen, wo die Menschen ihre Schwerpunkte setzen, wem sie Priorität geben. Aber auf der anderen Seite finde ich es dann doch bedauerlich, dass diese Priorität immer noch vorwiegend von Frauen gesetzt wird. Denn auch unsere Männer haben ja im Richteramt keine Nachteile zu befürchten, wenn sie Elternzeiten oder sonstige Pflegezeiten nehmen. Erfreulicherweise machen davon inzwischen immer mehr Kollegen Gebrauch.

Was haben Sie sich als Landgerichtspräsidentin vorgenommen?

Für den Standort Cottbus habe ich mir vorgenommen, dass ich hier präsent sein möchte. Die Aufgabe des Gerichtsvorstands ist sehr komplex und was das bedeutet, das merkt man tatsächlich erst, wenn man da ist. Ich will für die Beschäftigten da sein, mich für gute Arbeitsbedingungen einsetzen und dazu beitragen, dass die Bürger hier zu ihrem Recht kommen.

Sie waren lange am Oberlandesgericht tätig. Was fällt Ihnen als Unterschied auf?

Im Vergleich haben wir beim Oberlandesgericht mehr Zeit für die einzelnen Verfahren, als es hier der Fall ist. Hier werden hohe Schlagzahlen gefahren, heißt: Es kommen viele Sachen auf den Tisch, die bearbeitet werden müssen. Entsprechend gut muss die Arbeit strukturiert und organisiert sein und entsprechend gut müssten wir auch ausgestattet sein. Nun ist unser Personal aber nicht auskömmlich. Wir haben alleine hier im Haus drei bis vier Richterkräfte zu wenig. Auch bei den Amtsgerichten ist die Personaldecke dünn.

Auch andere Gerichte klagen über Personalmangel. Denken Sie, dass die rot-rote Landesregierung die Botschaft verstanden hat?

Davon gehe ich aus, und ich kann nur hoffen und wünschen, dass es nicht nur eine Erkenntnis ist, die bei der Koalition angekommen ist. Sie muss auch entsprechend handeln. Wir müssen dringend gegensteuern und praktisch ab sofort beginnen, in erheblichem Umfang geeignete Nachwuchskräfte zu gewinnen. dpa

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