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Die Wunden sind längst nicht verheilt

Streit in Frankreichs Fußball über das richtige Gedenken der Furiani-Katastrophe

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Als der SC Bastia am 5. Mai 1992 Olympique Marseille empfängt, sieht alles im Armand-Cesari-Stadion - besser bekannt als Furiani - nach einem großen Fußballfest aus. Doch sieben Minuten bevor die Halbfinalpartie im französischen Pokal beginnt, werden die Festlichkeiten zum Gräuel: Beim Einsturz der zum Brechen voll besetzten Stahlrohrtribünen sterben 18 Menschen. Mehr als 2350 werden zudem verletzt. Nach der »Katastrophe von Furiani« wird das Spiel nicht neu angesetzt, 1992 wird kein Pokalsieger gekürt.

Der französische Fußballverband verspricht sofort, dass auch zukünftig am 5. Mai keine Spiele mehr ausgetragen werden sollen. Ein Versprechen jedoch, das nie wirklich gehalten wurde: Heute gilt die Entscheidung nur noch für korsische Vereine. Nicht wenige vermuten, dass sich der Ligaverband LFP die Millionen an TV-Einnahmen nicht entgehen lassen will.

Das gefällt vielen nicht. Am vergangenen Freitag, dem 25. Jahrestag der Katastrophe, protestierten die Ultras von AS Saint-Étienne dagegen, dass ihre Mannschaft an diesem Tag spielen sollte. In der Heimpartie gegen Girondins Bordeaux klang das Geoffroy-Guichard-Stadion dann wie eine leere Kirche, denn die Fans verweigerten ihre übliche lautstarke Unterstützung und blieben 90 Minuten lang stumm. Mit Berichten in sozialen Netzwerken oder Sondertrikots solidarisierten sich landesweit weitere Ultras und Klubs, etwa in Marseille oder Paris, unter dem Motto »in den Farben getrennt, in der Sache vereint«.

Kurz nach dem Drama hatte sich auf Korsika das Kollektiv »Collectif du 5 mai« gegründet. Seitdem engagiert es sich dafür, dass am Unglückstag nirgendwo im Land Fußball gespielt wird. Alljährlich unterstützen Fans die Initiative, meist mit Transparenten in den Stadien. »Die Opfer und ihre Familien sind tief berührt vom Engagement der Fans in St. Etienne«, bedankte sich das Kollektiv. 2012 war es sogar gelungen, das Pokalendspiel um eine Woche zu verlegen. Zunächst hatte es der Verband tatsächlich am 5. Mai terminiert.

Drei Jahre später wurde ein weiterer Meilenstein erreicht. Das Sportsministerium, die Liga und der Verband verkündeten, dass der Tribüneneinsturz als nationales Drama anerkannt und von nun an immer am 5. Mai der Opfer gedacht werde. Zudem sollten in Frankreich keine Spiele stattfinden, wenn der Tag auf einen Sonnabend fällt. Es sah so aus, als würden sich die Fans mit ihren Wünschen durchsetzen. Für die vielen Anhänger und das »Collectif du 5 mai« ging das jedoch noch nicht weit genug, weil in den folgenden 20 Jahren der 5. Mai nur dreimal auf einen Sonnabend fallen würde: 2018, 2029 und 2035.

Wegen zahlreicher Zwischenfälle auf und außerhalb des Spielfelds gelten korsische Vereine als »enfant terrible« des französischen Fußballs. Andererseits fühlen sie sich von den Verbänden oft diskriminiert. Die Solidaritätsaktionen auf dem Festland würden helfen, heißt es. Die Wunden der Furiani-Katastrophe sind offensichtlich längst noch nicht verheilt.

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