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Durch den Tunnel in eine andere Welt

Bundespräsident besuchte Palästinensergebiete

  • Von Ellen Hasenkamp, Ramallah
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es könnte eine ganz normale Kreuzung zweier Landstraßen sein. Aber hier in den Palästinensergebieten nordwestlich von Jerusalem ist mitunter auch eine Straßenkreuzung eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Deswegen führt die Fahrt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Krankenpflegeschule Beit Emmaus durch einen beeindruckenden Tunnel.

Er unterquert nicht nur die Landstraße, die eine israelische Siedlung mit Jerusalem verbindet und deswegen für die Palästinenser tabu ist, sondern gleich die ganze Siedlung. So wird das Sicherheitsbedürfnis der Israelis befriedigt, und die Palästinenser sparen sich zeitraubende Umwege und Anstehen am Checkpoint. Ein befremdlicher Anblick - aber auch eine pragmatische Lösung für die schwierige Frage, wie Israelis und Palästinenser hier Seite an Seite leben können.

Wie schwierig dieser Alltag ist, berichten auch die Studenten der Pflegeschule. Die angehenden Schwestern und Pfleger der von Deutschland unterstützten Einrichtung erzählen Steinmeier von der oft mühsamen morgendlichen Anreise. Einige von ihnen kommen aus Jerusalem und müssen tagtäglich bis zu zwei Stunden für den eigentlich kurzen Weg einplanen - einschließlich Wartezeiten am Checkpoint der Israelis. Manchmal ist der ganz geschlossen. »Und wenn man dann um acht Uhr eine Prüfung hat, ist das schwierig«, sagt einer von ihnen.

Die jungen Palästinenser berichten erstaunlich gelassen von diesen Widrigkeiten. Sie werden gut ausgebildet, sprechen hervorragend Englisch. Stellen in den umliegenden Krankenhäusern, aber auch in Jerusalem, sind ihnen sicher. Selbstbewusst plaudern sie mit Steinmeier.

Der fragt sie nach ihren Familien und danach, ob und wie sich ein Pflegeberuf mit dem palästinensischen Männerbild vereinbaren lässt. Die frustrierenden Lebensumstände werden in dieser Runde nur gestreift.

Frust ist ein Gefühl, das sich Steinmeier in Sachen Nahost zumindest öffentlich nicht erlaubt. Elf Mal war er als Außenminister in der Region. Und auch als Bundespräsident wirbt er für die Zukunft der Zwei-Staaten-Lösung.

»Niemand unterschätzt die Probleme, die zu lösen sind, aber die Dringlichkeit, die fortgeschrittene Zeit und die Veränderungen on the ground bringen es mit sich, dass ein nächster Versuch tatsächlich gelingen muss«, mahnt er bei seinem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Und »jetzt ist es nun wirklich dringlich geworden mit der Umsetzung«.

Den nächsten Vermittlungsversuch, das gab Abbas nach dem Treffen mit Steinmeier bekannt, wird US-Präsident Donald Trump unternehmen. Trump werde bald zu einem Besuch in die Palästinensergebiete reisen, und er, Abbas, sei zu einem Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unter Schirmherrschaft des US-Präsidenten bereit.

Eine Wiederbelebung des Friedensprozesses wäre dringend nötig. Israelische Aktivisten beklagen, dass der Stillstand im Friedensprozess bislang dazu geführt habe, dass Hunderttausende Israelis zusätzlich in Siedlungen in den Palästinensergebieten gezogen seien. AFP

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