Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Rot-rot-grüne Märchen – und wahre Geschichten

Tom Strohschneider über asymmetrische Mobilisierung zugunsten der CDU durch Angstmache - und wie die SPD eine funktionierende Erzählung preisgibt

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: 2 Min.

Es war einmal eine Partei, die nach langem Niedergang mit einem neuen Spitzenmann auch sich selbst überraschte. Die Menschen sagten plötzlich wieder freundliche Dinge über diese Partei, weil diese sich wieder freundliche Dinge für diese Menschen vornehmen wollte. Eine neue Erzählung breitete sich aus und wurde belohnt mit Weitersagen: Man könne diese Partei jetzt wieder wählen. Und die Kundigen zählten, rechneten und sagten: Diese Partei wird stark sein, stärker als lange lange Zeit…

Dieses Märchen kennt kein Happyend. Und das liegt an der SPD selbst. Hannelore Kraft und Martin Schulz demonstrieren die Unterwerfung unter eine andere Geschichte – unter die Gegenerzählung, welche die Union erfolgreich strapazierte: Angstmache vor Rot-Rot-Grün.

Dass die Aussicht auf Mitte-Links-Mehrheiten auch mehr Wähler der Union in die Stimmlokale lockt, ist so richtig, wie es kein Grund sein müsste, über das Stöckchen auch zu springen, dass die CDU ihr da jetzt in Form von Rote-Socken-Rhetoriken hinhält. Es sei denn, der Hüpfer ist einem wichtiger als die eigenen Ziele.

Die Politgymnastik der unüberbrückbaren Unterschiede, die überall unter Benutzung von Begriffen wie »regierungsunfähig« aufgeführt wird, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in bestimmte Richtungen auch nur in bestimmten Koalitionen gelaufen werden kann. Differenzen in Einzelfragen, auch zentralen, schließt das ein.

Aber wir reden hier über Politik, nicht über Märchen, in denen die Dinge auf Happyends zulaufen müssen. Koalitionen sind Bündnisse zur Erreichung schrittweiser Veränderung in begrenzten Zeiträumen. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Womit die SPD konfrontiert ist, könnte man asymmetrische Mobilisierung nennen – eine Art zweite Wahlkampfwaffe in den Händen der Angela Merkel, die schon mit asymmetrischer Demobilisierung erfolgreich war. Das eine beschreibt die Vermeidung kontroverser Themen, um nicht die Anhänger der anderen Seite zu aktivieren. Auf das andere ließe sich seitens der SPD mit Selbstbewusstsein und ein bisschen Kampfeslust reagieren.

Dass Kraft jetzt mit ihrer Ansage doch noch eine Mehrheit für Rot-Grün entfachen könnte – ist ein anderes Märchen. Auch dieses kennt kein Happyend. (Dass man die Formulierung, »keine Koalition mit der Linken« als Hintertür in eine Duldung interpretieren kann, klingt zwar schön, ist aber wegen der unklaren Chancen der Linkspartei ebenso unrealistisch.)

Die wahre Geschichte, die daraus folgen wird, kennt Martin Schulz schon: Wer eine funktionierende Erzählung preisgibt, nur weil die andere Seite ihre Dichtung dagegensetzt, der verliert – und das nicht nur in den Umfragen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln