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Französische »Identitäre« nach Mord in Untersuchungshaft

Neonazis sollen in Lille einen 42-jährigen Punk getötet haben / Weitere Fälle vermutet

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Im französischen Lille haben Mitglieder der rechtsextremen »Identitären Bewegung« offenbar einen Mord begangen. In der Nacht vom 11. auf den 12. November 2011 war der 42-jährige Punk Hervé Rybarczyk nach einem Konzert auf dem Heimweg verschwunden. Wenige Tage später wurde er tot in einem Fluss gefunden. Die Polizei ging damals von Suizid aus. Obwohl Freunde und Familie des Gitarristen der Punkband »Ashtones« nie an einen Suizid glaubten, legte die Polizei den Fall schnell zu den Akten. Dies sorgte für große Empörung bei der Familie des Opfers und in linken Kreisen.

Jetzt wurde bekannt, dass Rybarczyk keineswegs Suizid begangen hat, sondern von einer Gruppe Neonazis ermordet wurde. Wie die »Zeit« berichtet, wurden vergangene Woche drei Mitglieder der rechtsextremen »Identitären Bewegung« (IB) wegen der Tat in Untersuchungshaft genommen. Sie sollen ihr Opfer erst verprügelt und dann sterbend ins Wasser geworfen haben. Offenbar hatten sie die Tat gut geplant: Sie sollen beispielsweise vor der Tat die SIM-Karten ihrer Mobiltelefone entfernt haben, damit die Polizei kein Bewegungsprofil von ihnen in der Tatnacht erstellen kann.

Laut der französischen Zeitung »Libération« wurden im März mehrere Mitglieder der IB wegen einer Serie von Gewalttaten festgenommen. Einer der Beteiligten soll im Rahmen der Ermittlungen den Mord der drei Neonazis gestanden haben, vermutlich in der Hoffnung auf eine Reduzierung seines Strafmaßes. Die drei langjährigen Mitglieder der Identitären Bewegung, die den Mord begangen haben sollen, werden nun wegen gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt.

Es besteht der Verdacht, dass die Gruppe noch weitere Morde begangen haben könnte. Die Leiche von Hervé Rybarczyk war damals nicht die einzige, die in dem Fluss bei Deûle gefunden wurde. Zwischen Oktober 2010 und November 2011 wurden insgesamt vier Leichen in dem Gewässer entdeckt. Spekulationen über einen möglichen homophoben Serienkiller tauchten auf, die Polizei tat die Todesfälle jedoch als Unfälle ab. Nachdem nun bekannt wurde, dass einer der drei Festgenommenen an einem Angriff auf ein Schwulencafé beteiligt gewesen sein soll, erscheinen die Morde in einem anderen Licht. mfr

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