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Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 3 Min.

So schwer es vielen von uns immer noch fällt, die Tage zwischen Weihnachten und Silvester neudeutsch als »zwischen den Jahren« zu bezeichnen, so leicht ist es, die vergangene Woche »zwischen den Wahlen« zu verorten. Feierlich allerdings geht es seit vergangenem Sonntag weder hierzulande, noch in Frankreich oder Europa zu. Der neue Mieter im Élysée-Palast hatte die in den Himmel gestreckten Arme noch gar nicht wieder gesenkt, da holte ihn die französische Wirklichkeit mit Protesten auf der Straße ein. Und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker depeschierte via Berlin (im engen Schulterschluss mit der deutschen Wirtschaft) nach Paris, dass die Franzosen zu viel Geld ausgeben würden. Harter Aufschlag für Emmanuel Macron noch vor der Amtsübernahme am Sonntag und eigentlich kein gutes Omen für den anstehenden Antrittsbesuch an der Spree.

Aber natürlich wird die Kanzlerin clever genug sein, das Le-Pen-Orakel von der deutschen Dominanz nicht sofort zu bestätigen. Schließlich muss Frankreichs neuer Präsident erst einmal die Parlamentswahlen im Juni glimpflich überstehen. Und überdies: Warum sollte Angela Merkel gerade jetzt die Krallen ausfahren, wo es doch daheim bestens für sie läuft? Die Lust am Untergang scheint eher in der SPD zu grassieren, nachdem für sie zwei Landtagswahlen in die Hose gegangen sind. Im Saarland haben die Genossen das noch tapfer weggesteckt - dort ticken die Uhren eh immer anders. Der Verlust der Kieler Staatskanzlei indes ließ ihnen kollektiv die Gesichtszüge entgleißen und - gerecht und solidarisch, wie sie nun mal sind - die Schuld am Wahldesaster dem, nun ja, nicht wirklich glücklich agierenden bisherigen Ministerpräsidenten überhelfen.

Und selbst wenn es an diesem Wochenende für die Merkelsche Konkurrenz in der viel beschworenen kleinen Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen besser laufen sollte und die SPD in einer Großen Koalition landet, weil Hannelore Kraft die andere Option großzügig wie kleingeistig ausgeschlossen hat - so richtig Rückenwind für die SPD ist aus dem bevölkerungsreichsten Land nicht zu erwarten. Vielmehr steht zu befürchten, dass in der sogenannten Herzkammer der Sozialdemokratie, in der selbst der kantige Gerhard Schröder 2005 den Anfang vom Ende erfuhr, auch der 100-Prozent-Liebling der Partei seine dritte Rhythmusstörung erleidet. So, wie Schröder dereinst die ostdeutschen Cousinen kaum weiterhalfen, werden es die Geschwister von Martin Schulz auch nicht richten, die tapfer für ihn in die Bütt gestiegen sind. Ganz abgesehen davon, dass eine wichtige Lehre aus der vergeigten Nordwest-Wahl für Sozialdemokraten sein sollte: Hände weg von Home-Storys. Aber vielleicht muss so etwas das Wunder aus Würselen erst am eigenen Leibe erfahren.

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