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Betagter Feger

Personalie

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Neue Besen, so das Sprichwort, kehren gut. Die Bundeswehr soll nun aber von einem nach Dienst- und Lebensjahren eher betagten Feger grundgereinigt werden. Zur Umsetzung ihres Versprechens, die Truppe von Wehrmachtskult und Rechtsradikalismus zu reinigen, setzt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf Generalinspekteur Volker Wieker.

Dabei musste sich der 1954 in Delmenhorst geborene Heeresgeneral von der Kritik der Ministerin an »Haltungsproblemen« und »Führungsschwäche« in der Truppe hart getroffen fühlen. Denn Wieker amtiert bereits seit 2010 als ranghöchster Soldat. Zweimal wurde seine Amtszeit verlängert, obwohl er das Ruhealter erreicht hat. Wenn er 2018 ausscheidet, ist er der »GenInspBw« mit der längsten Dienstzeit.

Der 15. Generalinspekteur verkörpert den dritten Typus von Trägern dieses Amtes seit der Wiederbewaffnung. Bis 1983 waren die Bundeswehrführer stets Wehrmachtsoffiziere mit Kriegsbiografie. Es folgte eine Generation von Schreibtischsoldaten ohne Einsatzerfahrung. Mit Wieker aber übernahm einer das Kommando, der die Bundeswehr als globale Interventionsarmee kennt und mitgestaltet hat: Mitte der 1990er Jahre war er in Bosnien-Herzegowina, 2001 befehligte er das deutsche KFOR-Kontingent in Kosovo, 2009 war er ISAF-Stabschef in Afghanistan.

Wieker selbst neigt kaum zum Stahlhelmkult. Er ist der »transatlantische« Typ, der die Bundeswehr stets als NATO-Truppe begriff. Zu Beginn seines Aufstiegs in die höchsten Dienstgrade stand eine amerikanische Generalstabsausbildung. Nun hat er seine Loyalität dennoch durch Selbstkritik in Sachen Wachsamkeit gegenüber rechtsradikalen Umtrieben unter Beweis gestellt.

Zum Auftakt zumindest scheint der betagte Feger sehr gründlich zu säubern. An der nach dem Altkanzler benannten Hamburger Bundeswehruni wurde nun ein Foto Helmut Schmidts in Wehrmachtsuniform entfernt. Wird das zum Maßstab in Sachen Truppentradition, wird sich in der Tat viel ändern an den Standorten.

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