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So innovativ wie das Silicon Valley

Deutsche Bahnkonzern setzt auf Ersatzteile aus 3D-Druckern aus der Hauptstadt

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.

Bisher galten 3D-Drucker vor allem als Spielzeug für ein paar Computer-Freaks. Für Uwe Fresenborg, Vorsitzender der Fahrzeuginstalthaltung bei der Deutschen Bahn (DB), besitzt die Technologie aber weit mehr: ein zerstörerisches Potenzial. Beim Kreuzberger Startup BigRep fragt Fresenborg, ob der 3D-Drucker die derzeitige Logistik verändern wird: »Werden wir in Zukunft Pulver anstatt fertige Waren verschicken, aus dem vor Ort erst die Ware gedruckt wird?« Damit würde die Digitalisierung nicht nur die Logistik verändern, sondern auch die Grundlage der industriellen Produktion - und auch die Deutsche Bahn.

Bei BigRep stellt Fresenborg vor, was die DB als Revolution in der Instandhaltung bezeichnet: das Ausdrucken von Ersatzteilen. »Von der Adler-Lokomotive von vor 60 Jahren bis zu unserem Flaggschiff, dem neuen ICE 4, umfasst unserer Fuhrpark über 100 000 Fahrzeuge mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von über 20 Jahren«, erklärt der Verantwortliche für die Fahrzeuginstandhaltung deren Schwierigkeit. Für viele Teile gebe es keinen Ersatz mehr, was die Chancen auf das erhöhe, was die DB unbedingt vermeiden will: den Ausfall von Zügen.

Fresenborg erzählt, wie ihm vor zwei Jahren bei einer Reise ins Silicon Valley in Kalifornien, USA, deutlich geworden sei, dass die DB vor einer Grundsatzfrage stehe, bei der es nicht zuletzt um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gehe. Nach dem Besuch im Zentrum der New Economy, wo Internetgiganten in die Technologien der Zukunft investieren, gründete die Bahn das internationale Partnernetzwerk »Mobility goes Additive«, dem neben Universitäten auch Druck- und Industrieunternehmen angehören.

Denn die 3D-Druckerei steht noch am Anfang. Zwar können aus Materialien wie Kunststoffen und Metallen im Schichtverfahren Teile gedruckt werden, die den Anwendungs- und Sicherheitsbedingungen der DB entsprechen, allerdings nur in begrenzter Größe. Und: Das Drucken einer einzelnen Kopfstütze kann schon einmal 14 Stunden dauern. Fresenborg wendet allerdings ein, dass genau wie das derzeitige Standardverfahren zur Herstellung von Teilen - Fräsen, Feilen, Spritzen und Gießen - vor hundert Jahren am Anfang stand, der 3D-Druck nun ebenfalls erst am Anfang stehe. Seit Ende 2015 hat die Bahn 1300 Ersatzteile mit dem 3D-Drucker herstellen lassen, bis Ende 2018 sollen es bereits 15 000 Stück sein. Um dies zu schaffen, arbeitet das Unternehmen eng mit den Druckereien zusammen.

BigRep ist eine davon. Das Berliner Startup entwickelt und baut großformatige 3D-Drucker und liefert auf heutige Produktionsanforderungen abgestimmte Lösungen für die Fertigung. Geschäftsführer Stephan Beyer gründete das Unternehmen vor drei Jahren mit, heute ist es in einer der Sparten des 3D-Druckens weltweit führend und konkurriert mit Unternehmen aus den USA und Israel. Dabei profitieren die 60 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von der Zusammenarbeit mit der deutschen Industrie. »Unsere Partner wie die Bahn müssen sich selbst bewusst werden, was sie brauchen. Wir setzen das dann um«, erklärt Beyer das Zusammenspiel mit der Industrie. Dabei stoßen beide Seiten immer wieder an Grenzen. BigRep hilft beispielsweise der Bahn, ein komplexes Design für den Druck zu optimieren; andererseits helfen die Anforderungen der DB bei der Weiterentwicklung der Drucker. Auch mit der Chemieindustrie arbeitet das Startup eng zusammen, um neue Materialien zu entwickeln, die für den Druck gebraucht werden.

Für Beyer ist BigRep damit als Industrie-Startup einzigartig in Deutschland. In Berlin findet der Geschäftsführer die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der 3D-Technologie. »Hier finden wir das Personal aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen, welches uns mit seiner Kreativität weiterbringt«, sagt Beyer über die Hauptstadt.

Auch Fresenborg zeigt sich begeistert von der Innovationskraft in der Hauptstadt: »Die Unternehmen in Berlin sind so innovativ wie die im Silicon Valley.«

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