Von Köpenick nach Williamsburg

Nach oben buckeln, nach unten treten? Aktualisierung einer Sozialmetapher

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Der Mann, heißt es im »Hauptmann von Köpenick« über einen preußischen Bürokraten, sei ein echter Radfahrer: »Nach unten tritt er, nach oben buckelt er.« So fasste Carl Zuckmayer in seiner 1931 uraufgeführten Realgroteske das Wesen des eingefleischten Untertanen zusammen. Heinrich Mann hatte diesen Menschenschlag schon anderthalb Jahrzehnte zuvor in seinem gleichnamigen Roman vorgeführt; auch bei Kurt Tucholsky gibt es immer wieder Anspielungen auf diesen Doppelcharakter des autoritären Subjekts.

Den Dreien ist gemeinsam, dass sie ein speziell preußisch-deutsches Phänomen beschrieben. Besonders deutlich wird dies bei Heinrich Mann: Der Geist, der vor der Obrigkeit kriecht und selbst Kriecherei erwartet, erscheint in seinem kurz vor dem Ersten Weltkrieg vollendeten Roman als Resultat des verkümmerten Liberalismus: Der alte Buck, verkrachter 1848er, verscheidet im Angesicht der stolzen Untertanenbrust des Heßling mit einer Miene, als...

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