Acoplados auf der Kippe

Vor knapp zwei Jahren übernahmen Arbeiter eine der größten Fabriken Argentiniens zur Herstellung von Lkw-Teilen und führten sie als Genossenschaft »Acoplados del Oeste« weiter. Zuvor waren die alten Eigentümer des Unternehmens mit den Gehaltszahlungen stark in Verzug geraten und hatte begonnen, das Werk auszuschlachten. Zwei Jahre produzierten 120 neugebackene Genossenschaftler Lastwagenteile unter eigener Ägide, bis die Provinzbürgermeisterin sie zwangsräumen ließ.

Seit mehr als drei Monaten campen die Arbeiter nun vor den Toren der Fabrik und kämpfen um ihre Arbeitsplätze. Dreh- und Angelpunkt für die weitere Entwicklung von Acoplados ist ein bevorstehender Gerichtstermin, aus dem - im für die Genossenschaftler und Genossenschaftlerinnen günstigsten Fall - die Insolvenz der ehemaligen Besitzer resultieren wird. Diese scheint zwar unausweichlich, doch mit Terminverlegungen zögert das Gericht die Entscheidung darüber immer weiter hinaus. Je länger der Richterspruch auf sich warten lässt, desto schlechter wird die Situation der Arbeiter. Sie brauchen Gewissheit darüber, ob und wann sie wieder zurück in die Fabrik dürfen.

Derweil sehen die Acoplados-Beschäftigten ihre Aufgabe darin, von Senat und Parlament der Provinz Buenos Aires die Bestätigung über die Enteignung der ehemaligen Besitzerfamilie zu erlangen. Die Frage ist: Wie lange können die Betroffenen ihren Kampfesmut noch aufrechterhalten. bet

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung