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Wenn die ersten Bomben fallen... wird Trump geliebt

Über die Hassliebe der Journalisten für den US-Präsidenten

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die US-Medien und Donald Trump: Bereits im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl ließ sich das Verhältnis beider Seiten am treffendsten als Hassliebe beschreiben. Quote und Klicks versprach der umstrittene US-Milliardär, der trotz Omnipräsenz bei jeder Gelegenheit gegen jene wetterte, die ihm eine Plattform für seine Botschaften lieferten. Kritik an seiner Person, Widersprüche und Fehler in seinen Äußerungen kanzelte er oft als »Fake News« der liberalen »Lügenpresse« ab.

Durch eine Studie des Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy der Harvard Kennedy School könnte sich Trump nun in dem Wahn, dass »die Medien« einen Feldzug gegen ihn führen, bestätigt fühlen. Die Forscher wollen herausgefunden haben: Führende US-Medien (darunter CNN, NBC, CBS, Fox, »New York Times«, »Washington Post«, »Wall Street Journal«) sowie die britische BBC und die deutsche ARD hätten in den ersten 100 Tagen von Trumps Amtszeit im Durchschnitt zu 80 Prozent negativ über den neuen Präsidenen berichtet. Die Studie schaffte es auch in die deutsche Berichterstattung. Der Fokus hierzulande lag dabei auf dem vermeintlichen Ergebnis, wonach Trump in der ARD besonders schlecht wegkomme. Welt.de titelte sogar: »Nirgends kommt Trump schlechter weg als im deutschen Fernsehen«. Diese Überschrift ist mehrfach irreführend: Die US-Medienforscher untersuchten lediglich die ARD und auch hier nur die Hauptnachrichtenausgabe der »Tagesschau«. Heise.de hielt dies dennoch nicht davon ab zu behaupten: »98 Prozent der ARD-Berichterstattung zu Donald Trump ›eindeutig negativ‹«.

Nun wäre es im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung tatsächlich bedenkenswert, wenn sich die untersuchten Medien so »eindeutig« gegen Trump positionieren würden. Allein es ist eine Frage der Definition, was die Forscher unter »negativ« verstehen. Ausschlaggebend war nämlich kein »(wissenschaftlicher) Kriterienkatalog, sondern die Perspektive der Person, über die berichtet wird - also die Sicht von Präsident Trump«, wie ARD-Sprecher Steffen Grimberg gegenüber tagesspiegel.de erklärt.

Soll heißen: Wurde der US-Präsident in einem Beitrag durch das Statement eines Politikers kritisiert, ordneten die Forscher diesen als negative Berichterstattung ein. Selbige Einschätzung gab es auch, wenn das untersuchte Medium sachlich darüber berichtete, wenn Trump mit einer politischen Initiative scheiterte, etwa als ein Gericht seine Pläne für ein Einreiseverbot für Muslime kassierte. »Die Verfasser der Studie schreiben daher selbst, dass sich aus ihren Zahlen nicht ablesen lässt, ob die Berichterstattung über Trump fair und ausgewogen war«, schreibt Grimberg.

Nur bei einem Thema war die Berichterstattung laut den Forschern überwiegend »positiv«. Als Trump im April den Raketenangriff auf einen syrischen Militärstützpunkt befahl, berichteten alle untersuchten Medien im Durchschnitt zu 80 Prozent »positiv«. Johann Grolle stellt bei spiegel.de fest: »Mit militärischem Schneid, so scheint es, kann selbst der unbeliebteste Staatschef die Gunst der amerikanischen Öffentlichkeit gewinnen.« Fazit: Bomben bringen Zerstörung und Trump Pluspunkte.

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