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Die Frauen machten das Rennen

»Wer wagt, gewinnt!« - die Leserjury hatte das letzte Wort und wählte die drei Siegergeschichten des 15. nd-Lesergeschichten-Wettbewerbs

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War es nicht gerade eben erst, dass wir am gleichen Ort die Gewinner des 14. nd-Lesergeschichten-Wettbewerbs gekürt haben?, ging es mir durch den Kopf, als sich am Dienstagabend so langsam der Münzenbergsaal im nd-Gebäude mit vielen erwartungsfrohen Gästen füllte. Sie alle waren gekommen, um die zehn schönsten Geschichten der 15. Auflage des längst zu einer guten Tradition gewordenen Wettbewerbs zu hören. Nicht nur, dass das Jahr wie im Fluge vergangen war, irgendwie war es auch wie in einem bekannten Theaterstück, das alljährlich Silvester über alle Sender flimmert: The same procedure as every year!

Wie jedes Jahr hatten wir unsere Leserinnen und Leser Anfang April aufgerufen, uns ihre Geschichten - diesmal zum Thema »Wer wagt, gewinnt!« - zu schreiben, wie immer quälte sich nach rund fünf Wochen die Jury damit, aus vielen - diesmal 82 - schönen Geschichten die zehn vermeintlich schönsten auszuwählen. Und wie immer staunten nicht nur die Autoren der zehn Siegergeschichten, was die beiden Vorleser allein mit ihrer Stimme daraus machten. Wie sie es schaffen, die Geschichten wie einen Film vor den Zuhörern ablaufen zu lassen und sie dabei zum Lachen und zum Weinen zu bringen.

Genau das erlebten die rund 100 Gäste im Saal auch diesmal. Die beiden Vorlesenden - die Schauspielerin Walfriede Schmitt und der Schriftsteller Landolf Scherzer - zogen im Handumdrehen jeden Einzelnen im Saal in ihren Bann. Herrlich, wie Walli Schmitt in die Rolle von Großvater Maus aus der Geschichte von Achim Sauerland aus Bremerhaven schlüpfte und zu einem alten stolzen Mäuserich wurde, der seinen Enkeln mit brummender, knarrender Stimme erzählt, wie er mit Mut seinen Erzfeind, die Katze, besiegte. Wunderbar, wie Landolf Scherzer zwischen den handelnden Figuren der Geschichte »Ein deutsches Schwein namens ›Vasja‹« von Bernhard Fisch aus Gera hin- und hersprang und jeder eine unverwechselbare Stimme gab. Man konnte fast meinen, sie stünden leibhaftig auf der Bühne.

Und es war schön, mitzuerleben, wie beide Vorlesenden sich gegenseitig fasziniert zuhörten und auch ihre Gefühle offen zeigten. Als Walli Schmidt die letzten Worte der Geschichte »Johanna im Park« von Vera Richter aus Gera gelesen hatte, griff Landolf Scherzer sichtlich gerührt nach ihrer Hand und drückte sie ganz fest. Sie strahlte ihn an, um dann forsch festzustellen: »Das war dann die letzte Geschichte.« »War es nicht«, konterte er, »ich darf noch eine.« »Prima, du liest so großartig, ich höre dir gern noch eine Weile zu«, bekam er zur Antwort. Mit Sebastian Vigls glücklich wie gleichzeitig traurig endender Geschichte »Ein Stück Früchtebrot« setzte der Schriftsteller dann einen fulminanten Schlusspunkt unter die Lesung, der nicht nur seiner Partnerin, sondern auch vielen Gästen im Saal die Augen die Tränen in die Augen trieb.

Die beiden Vorleser hatten sich nun redlich eine Pause und ein Glas Wein verdient, für die Zuhörer begann jetzt die Qual der Wahl, sich für jene drei Autoren entscheiden zu müssen, die ihrer Meinung nach aufs Siegerpodest gehören. Man musste nur in den Raum schauen, um zu wissen, dass das auch diesmal alles andere als einfach werden würde. Doch am Ende standen drei Sieger, oder besser gesagt, drei Siegerinnen fest.

Mit einer deutlichen Mehrheit konnte Vera Richter mit ihrer bewegenden Geschichte über eine couragierte alte Dame mit großer Stimmenmehrheit das Rennen für sich entscheiden. Damit übrigens gibt es hier endlich etwas zu vermelden, was nicht auf den eingangs zitierten Spruch zutrifft: Es gab nämlich noch nie eine Gewinnerin, die es mit ihrer Geschichte nicht nur zwei Jahre hintereinander unter die zehn Auserwählten schaffte, sondern auch noch beide Male gewann. Herzlichen Glückwunsch dafür, liebe Frau Richter, und viel Spaß bei der Einlösung Ihres Reisepreises! Sie wird mit einer Begleitung nach Leipzig fahren und dort drei Tage lang auf den Spuren von Martin Luther wandeln.

Auf den zweiten Platz wählte die Leserjury »Ein Netz voll Kartoffeln« von Reina Darsen aus Leipzig. Sie erzählt in der Geschichte, wie sie als ausgehungertes Flüchtlingskind 1945 ihre Angst überwandt und zu den gefürchteten Russen ging, um sie um ein paar Kilo Kartoffeln für ihre Familie zu bitten. Der Mut wurde belohnt - sowohl damals als auch heute, als sie sich entschied, die Geschichte zu Papier zu bringen. Als Lohn wird sie nun mit einer Begleitung drei Tage in den Spreewald reisen und sich dort in der Burger Kräutermanufaktur zur Wildkräuterexpertin »schulen« lassen.

Ganz anderer Art ist die Geschichte von Ingeborg Schimmelpfennig aus Berlin, die darüber erzählt, wie sie sich mit den technischen Segnungen der Neuzeit anfreundete, obwohl sie sich anfangs mit Händen und Füßen dagegen wehrte. Ihre Annäherung an Computer, Internet und Smartphone beschreibt sie so amüsant, dass sie den ganzen Saal zum Schmunzeln brachte. So mancher erinnerte sich da wohl an eigene Erfahrungen im Umgang mit der neuen Technik.

Ganz sicher wird Ingeborg Schimmelpfennig im Hamburger Hotel Wälderhaus, wohin sie mit ihrer Enkelin fahren wird, kein Problem haben, sich ins Wlan-Netz einzuloggen. Von dieser »Basisstation« aus werden beide für drei Tage die Hansestadt erkunden. Viel Spaß dabei!

»Wer wagt, gewinnt!« lautete nicht nur das Motto des diesjährigen nd-Lesergeschichten-Wettbewerbs. Im höchsten Maße trifft das auch auf den Extremsportler Robby Clemens zu, der in den nächsten zwei Jahren vom Nordpol zum Südpol zu Fuß laufen will und im Moment gerade Grönland von West nach Ost durchquert. Von dort schickte er ein Grußvideo an die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung. »Egal, welchen Platz Sie belegen«, sagte er, »gewonnen haben Sie auf jeden Fall. Denn Sie haben sich an dem Wettbewerb beteiligt. Und das allein zählt.«

Für alle, die am Mittwochabend nicht selbst dabei sein konnten, nun aber neugierig auf die Siegergeschichten geworden sind: Am 2. Juni erscheint eine Sonderbeilage, in der alle zehn vorgelesenen Geschichten veröffentlicht werden. Außerdem können Sie ab sofort diese auch im Internet anhören.

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