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»Diesen G7-Gipfel haben viele Kinder nicht überlebt«

Schlechtes Benehmen statt Lösungen: Hilfsorganisationen vom Ausgang des Treffens in Sizilien enttäuscht / Trittin kritisiert G7: Nichts geht mehr

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Berlin. Der G7-Gipfel in Sizilien hat die Hoffnungen von Hilfsorganisationen enttäuscht. Das Treffen sei ein Desaster für sterbende Kinder in Afrika und Asien, erklärte World Vision zum Abschluss des Gipfels in Taormina am Samstag. Die Teilnehmer hätten es versäumt, dringend notwendige Hilfe etwa für die Hungersnot in Afrika und im Jemen auf den Weg zu bringen. Auch seien keine Vereinbarungen getroffen worden, um sich anbahnenden Konflikten rechtzeitig zu begegnen.

»Dieser Gipfel wurde dominiert von Streitigkeiten, schlechtem Benehmen einiger Teilnehmer und den Fokus auf die Art und Weise, wie Hände geschüttelt werden, anstatt Lösungen für die globalen Probleme unserer Welt aufzuzeigen«, sagte Marwin Meier, Gesundheitsexperte von World Vision. »Diese zwei Tage haben viele Kinder in den von einer Hungersnot betroffenen Ländern nicht überlebt.« In Taormina sei nichts getan worden, um das Sterben von Kindern zu verhindern.

Ohne ein sofortiges und entschlossenes Handeln werde die Krise aber außer Kontrolle geraten, mahnte auch die Hilfsorganisation Oxfam. Die Welthungerhilfe zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Es seien weder konkrete Schritte vereinbart worden noch seien politischen oder finanziellen Verpflichtungen erzielt worden, erklärte die Referentin für Ernährungspolitik, Simone Welte, in Taormina. Das Thema Ernährungssicherung sei überhaupt nicht ausreichend behandelt worden.

Auch beim Klimaschutz gab es keine Einigung. Hier habe sich US-Präsident Donald Trump »ins Aus geschossen«, erklärte die Umweltorganisation Greenpeace. Die anderen Staats- und Regierungschefs müssten nun geschlossen vorangehen. Die Organisation Germanwatch begrüßte zumindest die Entschlossenheit der anderen sechs Staaten, am Pariser Klimaabkommen festzuhalten. »Dies ist ein wichtiges Signal, das die US-Regierung in dieser Einigkeit offenbar nicht erwartet hat«, sagte der politische Geschäftsführer Christoph Bals. Die Regierungschefs seien aber vage geblieben, wie die Pariser Verpflichtungen konkret umgesetzt werden sollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte ein, die Diskussion über das Thema Klima sei »sehr schwierig, um nicht zu sagen sehr unzufriedenstellend« gewesen. Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik erklärte sie, diese habe nicht den Raum eingenommen, den sich die italienische Präsidentschaft gewünscht hätte. Das Vereinbarte sei aber aus ihrer Sicht vernünftig. »Es zeigt, dass Flüchtlinge genau solche Menschenrechte haben wie alle anderen, dass wir natürlich unsere Grenzen schützen müssen, dass wir gegen illegale Migration kämpfen müssen, aber dass wir auch die Interessen und die Rechte der Menschen ernst nehmen müssen.«

Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin kritisierte den Gipfel in der »Welt am Sonntag« als chaotisch und die G7-Gruppe der wichtigsten Industrienationen als Auslaufmodell. »Nichts geht mehr im einst ebenso bedeutsamen wie exklusiven Club der alten Industriestaaten.« Statt mit den Problemen der Welt beschäftigten die G7 sich nur noch mit sich selbst. Auch »zu dem Problem vor Siziliens Haustür, wo allein in diesem Jahr 1.400 Menschen ertranken, zum wachsenden Flüchtlingsproblem« habe es keine Antwort gegeben. epd/nd

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