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Mustermann zahlt nicht den Spitzensatz

Vollzeiteinkommen im Schnitt bei 49 915 Euro

Viel ist in letzter Zeit davon die Rede, dass mittlerweile auch Normalverdiener den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zahlen müssten. Gerne wird dafür der Facharbeiter zitiert, der schon so viel blechen müsse. Doch ist das tatsächlich der Fall, dann gehört er auch ohne Hochschulabschluss zu den 6,4 Prozent einkommensstärkeren Steuerpflichtigen hierzulande. Denn dies ist ganz offiziell der Anteil der Spitzensteuersatzzahler an allen Steuerpflichtigen, wie die Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der LINKEN ergab.

Im Schnitt 117 930 Euro zu versteuerndes Gehalt bekommen diese Spitzenverdiener im Jahr - also mehr als doppelt so viel wie die häufig erwähnten rund 54 000 Euro jährlich, ab der der Spitzensteuersatz greift. Diese Diskrepanz liegt zum einen daran, dass die Statistik nach oben offen ist und auch bei den Topeinkommen die absoluten Spitzengehälter die Statistik nach oben verzerren. Zum anderen wird im Steuerrecht zwischen Bruttogehältern und zu versteuerndem Einkommen unterschieden. Da etwa die Werbungs- oder Pendlerpauschale abgesetzt werden können, greift der Spitzensteuersatz bei Singles de facto ab rund 64 000 Euro Bruttojahresgehalt. Bei Familien mit zwei Kindern und Alleinverdienern liegt diese Schwelle auf Grund von Ehegattensplitting und Kinderfreibeträgen erst bei rund 135 000 Euro.

So weit zu den Spitzenverdienern. Aber wie viel verdient ein normaler Angestellter im Schnitt?

Diese Frage ist nicht so ganz einfach zu beantworten, weil es unterschiedliche Definitionen von Normal- beziehungsweise Durchschnittsverdiener gibt. Doch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ist ihr nachgegangen und kam zum Ergebnis, dass die durchschnittlichen Haushalte weit unterhalb der Spitzensteuersatzgrenze verdienen.

Schaut man in die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes, fällt eine Zahl auf: 33 259 Euro. So viel verdient hierzulande ein Angestellter durchschnittlich im Jahr. In diese Zahl fließen jedoch alle möglichen Beschäftigungsverhältnisse mit ein, also auch die Gehälter für Mini- und Ferienjobs von Schülern. Für einen Vollzeitbeschäftigten fällt das Durchschnittseinkommen mit 49 915 Euro laut IMK weitaus höher aus, bleibt aber immer noch deutlich unter der Spitzensteuersatzgrenze.

Jedoch wird das Durchschnittseinkommen statistisch durch extrem hohe Einkommen eben auch nach oben getrieben. Ökonomen greifen deshalb lieber auf das sogenannte Medianeinkommen zurück. Dieses entspricht genau dem Einkommen, bei dem die eine Hälfte der Bevölkerung mehr und die andere weniger verdient. Dieser Wert liegt laut dem IMK derzeit bei 41 742 Euro im Jahr. Ein Single zahlt damit samt Solidaritätszuschlag noch 7085 Euro oder 17 Prozent seines Bruttoeinkommens an Steuern. Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern sieht es aber schon ganz anders aus: Es zahlt unter Berücksichtigung des Kindergeldes gar keine Einkommensteuer und würde folglich von Steuersenkungen auch nicht profitieren. spo

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