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Deutlich weniger Besucher in Wittenberg als erwartet

Mit 120 000 Teilnehmern bleibt der Abschlussgottesdienst des Kirchentages weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück

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Mit einer Sonnenaufgangsandacht haben Gläubige am Sonntag den Abschlusstag des Evangelischen Kirchentages in Wittenberg eingeläutet. Viele Besucher hatten die Nacht mit Isomatten und Schlafsäcken auf der Festwiese an der Elbe verbracht. Zunächst nur schwach ausgelastete Sonderzüge brachten später weitere Gläubige zum Abschluss des Kirchentags in die Lutherstadt. An den Bahnhöfen in Pratau und Wittenberg - unweit der Festwiese - koordinierten am Vormittag etliche Helfer die Ankunft der aus Städten wie Berlin, Magdeburg und Leipzig angereisten Besucher. Erst zum Höhepunkt, dem Festgottesdienst am Mittag, rechneten die Koordinatoren mit einem großen Ansturm. Rund 100 Sonderzüge wurden laut Veranstalter für den Kirchentag angefordert. Die Deutsche Bahn, die stets unter Waggon- und Fahrzeugmangel leidet, hatte eine eigene Projektstelle eingerichtet. Zudem kamen viele in Reisebussen, Autos und per Rad.

Später zählte der Cheforganisator des Kirchentages, Hartwig Bodmann, 120 000 Menschen, die an dem Abschlussgottesdienst teilgenommen hätten. Noch im Dezember des letzten Jahres hatte er offiziell mit 200 000 Besuchern gerechnet. »Im Stillen sogar mit einer Größenordnung von 270 000«, wie er der »Lausitzer Rundschau« damals sagte. Von diesen viel zu hohen Erwartungen war am Sonntag keine Rede mehr. Es gehe bei einem Kirchentag aber ohnehin nicht um Zahlen, sondern um Wirkung und Symbole, wiegelte Bodmann ab.

Der am Mittwoch begonnene 36. Deutsche Evangelische Kirchentag stand im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Die meisten Veranstaltungen fanden in Berlin statt. Rund 106 000 Dauerteilnehmer waren angemeldet. Zudem beteiligten sich Zehntausende an sechs regionalen »Kirchentagen auf dem Weg« in acht ostdeutschen Städten. Wobei auch hier die Zahlen hinter den Erwartungen zurückblieben. Die »Kirchentage auf dem Weg« in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hatten deutlich weniger Teilnehmer als ursprünglich prognostiziert. Insgesamt werde mit 40 000 Besuchern gerechnet, teilte der Verein Reformationsjubiläum 2017 am Samstag in Leipzig mit. Ursprünglich waren 80 000 erwartet worden.

Nicht nur die evangelische Kirche hat in den neuen Ländern ein großes Problem: Es fehlt in Ostdeutschland schlicht an Gläubigen. Die Region zwischen Ostsee und Erzgebirge gilt als »ungläubigste Region der Welt«. Drei von vier Bewohnern gehören keiner Kirche an. 52 Prozent bezeichnen sich selbst als Atheisten. Mehr als 70 Prozent aller Ostdeutschen unter 28 hat nach eigenen Angaben noch nie an die Existenz eines Gottes geglaubt.

Die geringere Resonanz hatte offenbar keinen dämpfenden Einfluss auf die Kosten: Mit mehr als 22 Millionen Euro ist der diesjährige Kirchentag der bisher teuerste.

Diesmal schlug neben hohen Mietkosten und einem umfangreichen Sicherheitskonzept besonders zu Buche, dass der Kirchentag mit Berlin und Wittenberg in zwei Städten gefeiert wurde. Für die Hälfte der Kosten in diesem Jahr, insgesamt 11,5 Millionen Euro, kommt der Staat auf. Davon stellt allein das Land Berlin 8,4 Millionen. Mit Agenturen

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