»Und wenn die Welt voll Teufel wär«

Der Evangelische Kirchentag feierte Martin Luther als Mann der Moderne - obwohl noch in Aberglauben gefangen

  • Von Günter Vogler
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Der Tintenfleck in der Lutherstube der Wartburg wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder erneuert, um Besucher daran zu erinnern, dass Martin Luther angeblich ein Tintenfass an die Wand warf, den Teufel zu vertreiben, der ihn bei der Übersetzung des Neuen Testaments gequält habe. Die Legende wird in der Literatur erst seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kolportiert. Doch sie führt vielleicht zu Luther selbst zurück, der in einer Tischrede berichtete, der Teufel habe in Wittenberg mit einem Tintenfass nach ihm geworfen. Hier war der Satan der Täter, nicht Luther.

Damit ist das Thema Teufel für den Wittenberger jedoch nicht erschöpft. Im Gegenteil: Ein Blick in das Register seiner Schriften offenbart, dass er ihn bei allen möglichen Gelegenheiten ins Spiel brachte und Menschen mit diesem im Bund sah. Das ist nicht außergewöhnlich und fügt sich in eine lange Tradition ein. Seit der Antike hat der Satan in verschi...


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