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Kurti blickt wieder über die Heide

Niedersachsen: Der amtlich erschossene Wolf steht jetzt im Landesmuseum

Irgendwas hat Kurti erspäht. Gleich wird der junge Wolf von seinem Ausguck, einem kleinen Felsblock, herunter springen und neuen Abenteuern entgegen eilen. Einen solch lebendigen Eindruck macht das keck in die Ferne schauende Tier derzeit in Hannover. Doch es lebt nicht mehr, zeigt sich präpariert: Zu seinen Abenteuern zählten nämlich allzu nahe Begegnungen mit Menschen, und so fällte das Umweltministerium im Frühjahr vergangenen Jahres das für den amtlich »MT 6« genannten Wolf tödliche Urteil: Abschuss! Gut ein Jahr nach seinem Ende wird Kurti, wie ihn Sympathisanten schon kurz nach dem ersten Auftauchen benannten, die gleiche Ehre zuteil, wie vor vielen Jahren dem gleichfalls totgeschossenen »Problembären« Bruno in Bayern: die öffentliche Präsentation im Museum. Mit Kurti geschieht das im Rahmen der jüngst eröffneten Ausstellung »Der Wolf - ein Wildtier kehrt zurück«. Ihr Ziel sei es, so das Landesmuseum, Besuchern die Lebensweise der Wölfe näher zu bringen sowie mit Vorurteilen und Klischees aufzuräumen.

Die in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Wolfsbüro konzipierte Schau macht die Welt der Wildtiere unter anderem mit einer Wolfshöhle erlebbar. Gezeigt wird auch, wie Schutz für, aber auch vor Wölfen gestaltet werden kann. Neben Text- und Bildtafeln vermitteln Videoclips, wie »Familie Isegrim« lebt, wie sie sich durch Jagd ernährt, wie sich die Tiere fortpflanzen. Ratespiele und Info-Stationen erläutern Unterschiede zwischen Wolf und Hund, auch Hinweise für das richtige Verhalten im Falle einer Wolfsbegegnung fehlen nicht. Exponate wie eine Wildtierkamera sowie Wolfsschädel ergänzen die Ausstellungstexte.

Ausstellungsmagnet jedoch dürfte Kurti sein, der erste legal getötete Wolf nach Rückkehr der Tiere in Deutschland. Sein Abschuss hatte seinerzeit viele Gemüter erregt, sogar zu zahlreichen Strafanzeigen gegen Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) geführt, aus dessen Haus der Erschießungsbefehl gekommen war. In sozialen Netzwerken waren erboste Bürger bemüht, den Namen jenes Präzisionsschützen der Polizei herauszufinden, der den etwa zweijährigen Rüden weisungsgemäß erlegen musste. Würde der Mann identifiziert, müsse er wohl »Angst um Leib und Leben haben«, hieß es damals aus Jägerkreisen.

Nicht zuletzt die umstrittene Entscheidung des Ministeriums war Anlass, sich in einer Ausstellung »möglichst sachlich und neutral mit dem Thema Wolf auseinanderzusetzen«, heißt es seitens des Landesmuseums. Und Minister Wenzel meint: Die Präsentation sei ein interessanter Lernort. »Wolf und Mensch haben seit Jahrtausenden ihren Lebensraum geteilt, aber viel Wissen darüber ist verloren gegangen«, so der Politiker. Die Ausstellung vermittele anschaulich die Bedeutung des Tieres im Ökosystem und die damit verbundenen Herausforderungen. Aufräumen will die Ausstellung auch mit dem Bild vom »bösen Wolf«, das vor allem Kindern nicht selten auch heute noch durch Märchen vermittelt wird. »Statt subjektiver Angst wollen wir objektive Fakten präsentieren, die nicht verharmlosen aber auch nicht übertreiben«, so Katja Lembke, Direktorin des Museums.

Ausstellung »Der Wolf - ein Wildtier kehrt zurück« noch bis zum 15. Oktober im Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5. Di bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa und So 10 bis 18 Uhr.

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