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Ein kitschiger Lupfer zum Abschluss

Pierre-Emerick Aubameyang entscheidet das Pokalfinale. Die Dortmunder würden ihn gern behalten, im Gegensatz zu ihrem Trainer

Meistens gewinnt dann doch der Favorit. Allen »eigenen Gesetzen« des DFB-Pokals zum Trotz setzte sich am Samstagabend in dessen Finale Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt durch. Der Champions-League-Teilnehmer gegen den Fast-Absteiger der vergangenen Saison - war doch klar, möchte man meinen. Doch so klar war dieses 2:1 (1:1) im Berliner Olympiastadion dann doch nicht. Ein bisschen Glück und einen stabilen rechten Torpfosten brauchten die Dortmunder schon. Mit dem Pokal in der Hand war es ihnen freilich am Ende völlig egal.

Nachdem die Borussia durch eine schöne Einzelleistung von Ousmane Dembélé in der 8. Minute schnell in Führung gegangen war, zog sie sich komplett zurück und überließ der Eintracht das Geschehen, so als wollte der Favorit 80 Minuten lang den Vorsprung über die Zeit bringen. »Von einer Minute zur nächsten haben wir den Eindruck gemacht, als hätten wir wahnsinnig viel zu verlieren. Frankfurt hingegen hat sehr selbstbewusst weitergespielt«, wunderte sich auch Dortmunds Trainer Thomas Tuchel später. Die Folge war ein Ballverlust vom dribbelnden Innenverteidiger Sokratis und der Ausgleich des starken Ante Rebić (29.). Als zehn Minuten später Haris Seferovic auch noch besagten Dortmunder Pfosten traf, drohte das Spiel zu kippen, doch der Halbzeitpfiff rettete den Favoriten.

»Die Pause hat uns geholfen. Ich musste zwar Marco Reus und Marcel Schmelzer wegen Verletzungen auswechseln, doch wir haben das als Chance genutzt«, sagte Tuchel. Der eingewechselte Christian Pulisic holte prompt den entscheidenden Elfmeter heraus, den Pierre-Emerick Aubameyang (67.) per Panenka-Lupfer über Frankfurts Keeper hob.

Es war schon ein bisschen kitschig, dass der Stürmer aus Gabun in seinem vermutlich letzten Spiel für die Borussia den Dortmundern nach drei Finalniederlagen in Serie endlich den vierten Pokalsieg der Vereinsgeschichte sicherte. Paris St. Germain soll großes Interesse haben. »Natürlich wollen wir, dass so ein Weltklassespieler bei uns bleibt«, sagte Dortmunds Torhüter Roman Bürki später.

Die Aussage wurde erst durch die Antwort auf die folgende Frage interessant. »Wollen Sie auch, dass Trainer Thomas Tuchel bleibt?«, hieß sie, doch plötzlich wurde Bürki ganz diplomatisch: »Wir warten die Gespräche zwischen der Führung und dem Trainer ab. Da können wir eh nichts machen.« Das würde allerdings auch für Aubameyang gelten.

Es war schon erstaunlich, dass nach einer Saison, in der die Borussia all ihre Ziele erreichte, niemand sagen wollte, dass Tuchel bleiben solle - außer Tuchel selbst natürlich. Der sprach später von dem großen Vertrauen zwischen ihm und der Mannschaft, ohne das diese Erfolge nicht möglich gewesen wären. Das Vertrauen zu Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist allerdings verschwunden, weshalb auch am Samstag alles nach einem Abschied von Tuchel aussah.

Kapitän Marcel Schmelzer betonte zwar, dass sich die Mannschaft angeblich keine Gedanken über die Causa Tuchel gemacht habe. Trotzdem verpasste er seinem Trainer nach dem Titelgewinn noch eine Breitseite, weil dieser Mittelfeldspieler Nuri Sahin kurz vor der Partie aus dem Kader gestrichen hatte. »Mich hat es sehr geschockt. Ich verstehe es einfach nicht«, sagte Schmelzer. Sahin sei der Einzige, der den ausgefallenen Julian Weigl hätte ersetzen können. »Die Erklärung dafür muss der Trainer geben. Wir stehen komplett hinter Nuri«, sagte Schmelzer, der damit nur hervorhob, dass die Mannschaft eben nicht mehr hinter ihrem Trainer steht. Tuchel begründete Sahins Ausbootung mit taktischen Überlegungen und damit, dass Sahin nicht ganz fit gewesen sei. Die Reaktionen der Spieler ließen zumindest anderes vermuten.

Als Trainer Niko Kovac dann noch nach seinem Erfolgsgeheimnis für die gute Saison der Frankfurter gefragt wurde, antwortete er - vermutlich ungewollt - mit einem Satz, den man auch als vernichtendes Urteil der aktuellen Dortmunder Verhältnisse interpretieren konnte: »Wenn man gemeinsam in eine Richtung läuft, ist die Arbeit viel einfacher.« Bei der Eintracht - lange berühmt für Meinungsverschiedenheiten zwischen Spielern, Trainern und Klubführung - sind mit Kovac endlich Ruhe und ein wohltuender Realismus eingekehrt.

»Wir wussten, es muss schon alles passen, um den BVB zu besiegen. Wir sollten bedenken, dass wir letzte Saison noch Relegation spielen mussten. Daher bin ich sehr stolz auf meine Mannschaft«, sagte Kovac, der ganz zum Schluss dann aber doch noch so etwas wie eine Kampfansage machte. »So ein Pokalfinale macht Hunger auf mehr. Ich kann nichts versprechen, aber wir werden nächstes Jahr wieder angreifen.«

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