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US-Industrie braucht Klimaschutz

Konzerne und Investoren machen sich für das Paris-Abkommen stark

  • Von Christian Mihatsch
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Aktionäre von ExxonMobil haben dem Management eine schwierige und heikle Aufgabe gestellt: Bei der Generalversammlung des größten privaten Ölkonzerns der Welt am Mittwochabend in der texanischen Ölmetropole Dallas stimmten 62 Prozent der Anteilseigner für einen Antrag, dass die ExxonMobil-Führung die Geschäftsplanungen stärker an Klimaschutzzielen ausrichtet. Außerdem wollen sie über die »finanziellen Risiken« aufgeklärt werden, die sich aus »einer Reduktion der Nachfrage« ergeben, wenn die Länder Maßnahmen zur Erreichung des »global vereinbarten zwei Grad Ziels« ergreifen, etwa durch geringeren Ölverbrauch. Konzernchef Darren Woods hatte zuvor gegen den Wunsch nach mehr Transparenz argumentiert: »Das Management glaubt, dass die Firma die künftigen Auswirkungen von politischen Entwicklungen adäquat untersucht hat.«

Um die Klimaerwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wie es das Paris-Abkommen verlangt, müssten zwei Drittel der bekannten Kohle-, Öl- und Gasreserven im Boden bleiben. Die Aktionäre befürchten daher, dass, wenn Energiekonzerne Milliarden in die Erkundung neuer Fördergebiete investieren, das Geld in den Sand gesetzt sein könnte. Aus diesem Grund verlangten der Pensionsfonds des US-Bundesstaats New York und der Finanzarm der Kirche von England als ExxonMobil-Großaktionäre die Offenlegung dieses Klimarisikos. Dabei erhielten sie in diesem Jahr sogar Unterstützung von den großen Vermögensverwaltern BlackRock und Vanguard. »Dies ist ein beispielloser Sieg für Investoren im Kampf um einen reibungslosen Übergang hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft«, sagte der oberste Kontrolleur der Pensionsaktivitäten des Staates New York, der demokratische Politiker Thomas DiNapoli, unmittelbar nach der Kampfabstimmung. »Der Klimawandel ist eines der größten Langfrist-Risiken in unserem Portfolio und hat einen direkten Einfluss auf das Kerngeschäft von ExxonMobil.«

Mit dem Sieg in der Abstimmung haben die Aktionäre ein deutliches Zeichen zugunsten des Pariser Weltklimaabkommens gesetzt - unmittelbar vor der Bekanntgabe durch Präsident Donald Trump, ob die USA dem Vertrag weiter angehören oder aussteigen werden. Die Entscheidung hatte er für Donnerstagabend (nach Redaktionsschluss) angekündigt. Edward Mason von der Kirche von England sagte denn auch: »Trump handelt im Widerspruch zur Wall Street und zu den weltgrößten Investoren.« Sollte der Präsident tatsächlich aus dem Paris-Abkommen aussteigen, hätte er noch nicht mal das ExxonMobil-Management hinter sich: Der Ölkonzern, der bis vor Kurzem vom heutigen US-Außenminister Rex Tillerson geleitet wurde, forderte die Regierung auf, nicht aus dem Abkommen auszusteigen, »um besser auf die Klimarisiken reagieren zu können«. Außerdem fordert ExxonMobil wie viele andere Öl- und Gasmultis auch eine Steuer auf den CO2-Ausstoß. »Die Wirtschaft hat sich bereits festgelegt, dass unsere Zukunft in sauberen Energien liegt«, sagte dazu Trumps Vorgänger Barack Obama kürzlich.

Im Vorfeld der Entscheidung machten zahlreiche US-Unternehmen einen letzten Versuch, den Präsidenten auf das Abkommen einzuschwören. Unter anderem schalteten sie dazu am Donnerstag eine ganzseitige Anzeige in der »New York Times«, die von Trump gelesen wird. Darin wenden sie sich direkt an ihn: »Lieber Präsident Trump, als einige der größten Firmen in den USA bitten wir Sie dringend, die USA im Paris-Abkommen zu halten.« Unterzeichnet ist der Appell unter anderem von Tech-Giganten wie Apple, Google, Facebook und Microsoft, Konsumgüterkonzernen wie Unilever und Mars sowie Modelabels wie Gap und Levi’s. Der Gründer des Elektroautoherstellers Tesla, Elon Musk, warnte via Twitter, er werde »keine andere Wahl haben«, als den Beraterstab Trumps zu verlassen, falls dieser aus dem Abkommen aussteigt.

Auch weitere US-Großkonzerne wie General Electric, WalMart und DuPont haben sich deutlich positioniert. Die Vereinbarung bringe Wettbewerbsvorteile, trage zum Wirtschaftswachstum bei und schaffe Arbeitsplätze, argumentierten sie. Ökonomen verweisen darauf, dass die Konzerne nun mal klar kalkulieren: Klimaschutzmaßnahmen wie der Umstieg von Kohle und Öl auf Erneuerbare oder Energieeffizienzanstrengungen helfen, die Kosten zu sparen. Und mit Umwelttechnologien ist auch viel Geld zu machen. Aber die US-Industrie erwartet auch, dass der Staat die entsprechenden Rahmenbedingungen für einen klimafreundlichen Umbau setzt - der Ausstieg aus dem Paris-Abkommen würde genau in die andere Richtung weisen.

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