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Opfer des Discounterkrieges

Aldis dänische Tochtergesellschaft beschließt Geschäftsschließungen und neue Investitionen

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.

In der Öffentlichkeit ist nicht bekannt, ob Theodor Albrecht, Gründer und Besitzer von Aldi Nord, ein besonderer Fan von Dänemark war. Jedenfalls beschloss er aber im Jahr 1977, dass Aldi der erste Discounter sein sollte, der in dem Land das Billigprinzip einführt. Viel Geduld mit dieser Investition haben er und seine Nachfolger gezeigt, denn glaubt man Branchengerüchten, hat Aldi dort nie Profit machen können. Sicher ist auf jeden Fall, dass die letzten sechs Jahre ein teures Vergnügen für den Konzern waren, denn er verlor trotz jährlich steigender Umsätze in diesem Zeitraum 160 Millionen Euro.

Bereits 2016 wurden einige der Verluste schreibenden Supermärkte geschlossen, nun wurde der Beschluss gefasst, weitere 32 der noch verbliebenen 220 Geschäfte zu schließen. »Diese Märkte sind zu klein, liegen an der falschen Stelle auf der Landkarte und bieten den Kunden nicht das Einkaufserlebnis, das wir ihnen gern vermitteln möchten«, erklärte Thomas Bang, Aldis dänischer Direktor für Kommunikation.

Der Sessel für den geschäftsführenden Direktor ist bei den jährlichen Verlusten eher ein Schleudersitz und gegenwärtig unbesetzt, nachdem seit 2012 vier verschiedene Manager diesen Posten inne hatten. Aldi Dänemark kündigte an, in die Offensive gehen zu wollen mit Geschäftsrenovierungen und einer ökologisch orientierteren Geschäftsstrategie. Das notwendige Kapital wurde von Aldi Nord überführt.

Aldis Problemanalyse ist soweit richtig, aber nur eine Seite der Medaille. Ein dänisches Aldi-Geschäft sieht heute noch so aus, wie es auch in den 1980er Jahren üblich war und lockt nur ein bestimmtes Kundensegment an. Presseberichte der vergangenen Jahre zu schlechten Arbeitsbedingungen trugen auch nicht zur Verbesserung des Rufes bei.

Wichtiger noch für die Kaufentscheidung der Verbraucher dürfte es aber sein, dass dänische Städte über ein sehr dichtes Netz von Supermärkten verfügen, das viele Alternativen für jedes Preisniveau bietet. Nach Angabe des Brancheninstitutes Birch & Birch könnten Dänemarks Discounter 18 Millionen Kunden versorgen, während die Bevölkerungszahl nur knapp sechs Millionen beträgt. Der Umsatz aller Discounter in Dänemark bewegte sich in den vergangenen Jahren um die Vier-Milliarden-Euro-Marke und hat sich nicht wesentlich geändert.

Bei dieser Situation in der dänischen Discountbranche ist es nicht verwunderlich, dass bereits im April die Kiwi-Kette das Handtuch warf und alle 103 Supermärkte schloss. Kiwi befindet sich im norwegischen Besitz und ist in seinem Heimatland ein erfolgreiches Unternehmen, das in Dänemark aber nicht Fuß fassen konnte. Die Kette verlor in den letzten Jahren durchschnittlich 30 Millionen Euro jährlich und ihre Besitzer erwarteten nicht, dass sich das Geschäftsergebnis in absehbarer Zeit soweit verbessern würde, dass der weitere Betrieb gerechtfertigt wäre.

Die Verluste der Discountketten sind jedoch nicht dem Umstand zuzuschreiben, dass ihre Besitzer versuchen würden, ihre erfolgreichen nationalen Konzepte den dänischen Verbrauchern überstülpen zu wollen. Die Fakta-Kette mit 406 Geschäften, Teil des traditionsreichen dänischen COOP-Konzerns, musste auch im Vorjahr wie schon oft zuvor Millionenverluste schreiben und wird von Branchenkennern als mögliches nächstes Opfer des Discountkrieges angesehen. Lediglich die dänische Netto-Kette sowie die im norwegischen Besitz befindliche Rema-1000-Kette mit 450 beziehungsweise 280 Geschäften und nach über zehn Jahren Anlauf auch Lidl mit 100 Supermärkten schrieben 2016 schwarze Zahlen.

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