Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Von Kaiserschmarrn bis Tabuleh ist alles dabei

Beim Verein »Schüler Treffen Flüchtlinge« wird gemeinsam gekocht / Merkel ehrt die Initiative am Mittwoch

In einem leicht heruntergekommenen Raum eines Jugendzentrums in Pankow treffen sich an diesem warmen Juniabend rund 30 Schüler und Geflüchtete. Gemeinsam lachen sie, reden, spielen Tischfußball und Karten - und kochen. An einem kleinen Tisch neben der Terrassentür werden Zwiebeln geschnitten, an einem runden Kneipentisch die Tomaten. Für Vorbereitungsarbeiten ist in der kleinen, winkeligen Küche kein Platz. Der Verein »Schüler Treffen Flüchtlinge« hat den Abend organisiert.

Joshua Kriesmann hat ihn gemeinsam mit vier anderen Schülern vor zwei Jahren gegründet. »Vorher waren wir nur eine Schülergruppe, niemand hat uns wirklich ernst genommen«, sagt der 19-Jährige, inzwischen Jura-Student. Alles begann im Februar 2015 mit einer Spendenaktion, die Kriesmann und seine Freunde an der Schule organisierten. Sie entschieden sich, mehr zu machen. »Wir wollten aber nicht nur helfen, sondern einen Austausch schaffen«, so Kriesmann. Seitdem organisieren sie mindestens einmal im Monat gemeinsame Kochabende und Ausflüge. Einmal kochten sie so sogar in der US-Botschaft.

An diesem Juniabend steht Kriesmann mit der 17-jährigen Schülerin Paula Fredrich und Othmann Mohammad in der Küche. Er probiert das Maklube, ein arabisches Gericht aus Reis, Kartoffeln, Auberginen und Tomaten. Dazu gibt es einen deutschen Gurkensalat und einen italienischen Nudelsalat. Mohammad ist vor eineinhalb Jahren aus dem Irak geflohen. Früher habe er seiner Mutter beim Kochen geholfen, sagt der 29-Jährige. Er ist nicht das erste Mal dabei. Einmal fuhr er gemeinsam mit Paula in eine Schule in Marzahn, um mit den Schülern über seine Flucht zu sprechen.

Das Projekt haben sie aber nicht fortgeführt. »Vielen fällt es schwer, über die Flucht zu sprechen«, sagt Kriesmann. Er wirkt für sein junges Alter erstaunlich professionell, hat alle Fakten parat. In den vergangenen Jahren hat er das Projekt oft vorgestellt, Unterstützer gewonnen und Geld gesammelt. Mit Erfolg: Am Mittwoch wird der Verein gemeinsam mit 24 anderen Initiativen im Bundeskanzleramt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geehrt.

Sie haben bei dem Wettbewerb Startsocial gewonnen, bei dem ehrenamtliche Projekte gefördert und über einen längeren Zeitraum begleitet werden. »Die Schüler sind sehr professionell vorgegangen«, sagt Geschäftsführerin Sunniva Engelbrecht. Dabei befänden sie sich gerade am Ende ihrer Schulzeit oder am Anfang der Ausbildung. »Das ist ein wichtiges Zeichen gegen die Politikverdrossenheit, die dieser Generation oft nachgesagt wird«, sagt Engelbrecht. Sieben Initiativen erhalten am Mittwoch außerdem ein Preisgeld von jeweils 5000 Euro. Kriesmann glaubt nicht, dass ausgerechnet sie das Geld gewinnen. »Da sind andere Vereine, die viel viel mehr Erfahrung haben als wir.« Trotzdem weiß er, was er mit dem Geld anstellen würde. »Zunächst müssten wir uns endlich mal bei allen Helfern bedanken, mit kleinen Geschenken und Blumen. Das meiste Geld würde aber natürlich in die Projekte gehen.« Die nächsten Ideen stehen nämlich schon: Stadttouren durch Berlin von und für Geflüchtete und ein Kochabend nur für Frauen. dpa

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln