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Rivalität und Terror

Mehr als ein Fußballspiel: England gegen Schottland

  • Von Christoph Stukenbrock und Peer Lasse Korff, Glasgow
  • Lesedauer: 2 Min.

Harry Kane und Jermaine Defoe marschierten mit 21 Kilo schweren Rucksäcken sechs Kilometer durch den Forst, Coach Gareth Southgate zwängte sich durch einen kaum einen Meter breiten Wassertunnel und am Ende campierten sie alle zusammen unter freiem Himmel in der Wildnis: Mit einem zweitägigen Bootcamp bei den Royal Marines haben sich die englischen Fußballer auf den politisch wie sportlich brisanten «Battle of Britain» am Sonnabend in Schottland vorbereitet.

«Ohne Handys, alle zusammen - diese Erfahrung war einzigartig», sagte Stürmer Defoe, der das ungewöhnliche Trainingsprogramm wie seine Kollegen im grünen Tarnanzug und in schweren schwarzen Lederstiefeln absolvierte: «Diese Art von Druck bringt dich voran. Du weißt, du hast deine Teamkameraden, auf die du dich verlassen kannst. So etwas schweißt zusammen.»

Mit einem Sieg beim ewigen Rivalen in Glasgow können die Three Lions den womöglich entscheidenden Schritt Richtung WM-Qualifikation machen. «Wir wollten die Jungs kurzzeitig in eine andere Welt führen, mit der sie nicht gerechnet hatten», sagte Southgate, der vier seiner bisherigen fünf Qualifikationsspiele als Nationaltrainer gewonnen hat.

Doch auch abseits des Platzes birgt die Partie reichlich Brisanz. Nach den Terroranschlägen von Manchester und London ist das Königreich in höchster Alarmbereitschaft, die Partie wurde zum Hochsicherheitsspiel erklärt. «Die Sicherheit der Fans ist für die schottische FA von größter Bedeutung», teilte der Verband mit und kündigte verschärfte Taschen- und Personenkontrollen im Hampden Park an. Als Gedenken an die jüngsten Terroropfer wird es unmittelbar vor dem Anpfiff wohl eine Schweigeminute geben.

Für die nach politischer Unabhängigkeit strebenden Schotten geht es im Duell gegen den ungeliebten großen Bruder womöglich schon um alles. Die Ausgangsposition im Kampf um Platz zwei der Qualifikationsgruppe F hinter England könnte deutlich besser sein, und so steht Teammanager Gordon Strachan massiv in der Kritik. Verlieren verboten, heißt es für ihn.

Die Partie gegen England bezeichnete Strachan als ein «Must-not-lose»-Spiel«. Ein Spiel, das sein Team nicht verlieren dürfe. »Ich denke an einen Sieg«, sagte er, aber ein Remis halte die Schotten im WM-Rennen. Mit sieben Punkten liegen die Bravehearts zwei Zähler hinter der Slowakei und einen hinter Slowenien momentan nur auf Rang vier.

Die Bilanz spricht klar für die seit 2009 in Qualifikationsspielen für ein großes Turnier ungeschlagenen Engländer: Eine Niederlage in Schottland hat es seit 1985 nicht mehr gegeben. SID/nd

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